"Krone"/WAZ: Schiedsgericht tagt Anfang April in Wien

2. April 2004, 17:34
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WAZ will Dichands Abberufung als Hauptgeschäftsführer - "U-Express" sorgt für weiteren Konfliktstoff

Im Konflikt zwischen den Hälfte-Eigentümern der "Kronen Zeitung", Hans Dichand und Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), wird es nun ernst. Anfang April tagt - wie STANDARD und etat.at schon Anfang März berichteten - erstmals das Schweizer Schiedsgericht, wo die WAZ die Abberufung Dichands als Hauptgeschäftsführer der Zeitung erreichen will. Die drei Schiedsrichter treten aber nicht in der Schweiz, sondern in Wien zusammen. "News" berichtet nun vom 6. April als ersten Termin, die APA meldet den 5. April.

Die Schiedsrichterriege besteht aus dem Schweizer Anwalt Bernhard Meyer-Hauser als Vorsitzender, dem österreichischen Rechtsanwalt Christian Hausmaninger (von Dichands Seite nominiert) sowie Martin Karollus, Rechtswissenschafter an der Uni Linz und von der WAZ nominiert. Die Entscheidung des Gremiums ist für beide Streitparteien bindend, eine Berufungsmöglichkeit ist nicht vorgesehen.

Streit seit über einem Jahr

Seit über einem Jahr tobt der Konflikt um Österreichs meist gelesene Tageszeitung mit variierender Heftigkeit. In den vergangenen Monaten wurde er mit flankierenden Klagen zumeist an Nebenfronten ausgetragen. "Es gibt inzwischen schon so viele Verfahren", hatte Dichand selbst bereits im November des Vorjahres konstatiert.

Im Schiedsgerichtsverfahren aber geht es ans Eingemachte. Die WAZ wirft Hans Dichand vor, seine Pflichten als Hauptgeschäftsführer verletzt zu haben. Ganze Listen solcher Pflichtverletzungen hat die WAZ im vergangenen Jahr erstellt. Im Kern wolle man ein für alle Mal die Führungsfrage klären, haben die WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und Erich Schumann wiederholt betont.

Auslöser: Dichand-Sohn als Chefredakteur

Ausgelöst wurde der Kampf um die "Krone" durch die Entscheidung Dichands, seinen Sohn Christoph zum Chefredakteur zu bestellen. Mit einem Kompromiss wurde dieser Streit vorerst beigelegt. Dann aber sorgten Aussagen von Dichands zweitem Sohn Michael für eine neuerliche Eskalation, indem er der WAZ Geschäftsverbindungen mit mafiösen Kreisen am Balkan unterstellte.

Für weiteren Konfliktstoff sorgt derzeit übrigens der "U-Express": Noch nie war die WAZ sonderlich begeistert von der Gratiszeitung, die Hans Dichand im Jahr 2001 gründete, um ausländische Player vom Wiener Markt fern zu halten. Ende des Monats laufen laut einem STANDARD-Bericht (siehe dazu: Auch Raiffeisen gegen "U-Express") die Verträge für den "U-Express" aus, in der WAZ habe man sich gegen eine Verlängerung ausgesprochen. (APA/red)

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