Wiener Community-TV könnte in einem Jahr auf Sendung gehen

2. April 2004, 14:30
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Verein präsentierte Grundzüge des Projekts - Suche nach Geschäftsführung startet demnächst - Gespräche über Kabel-Sendeplatz

In einem Jahr könnte in Wien bereits Community-Fernsehen zu sehen sein. Bis zum Frühling 2005 sei ein Sendestart denkbar, sagte Thomas A. Bauer, Publizistikprofessor und Obmann des Herausgebervereins für den "Offenen Kanal" (Arbeitstitel), am Mittwoch in einem Pressegespräch. Demnächst werden eine GesmbH gegründet und "ein bis zwei Geschäftsführer" gesucht, die dann operativ walten sollen. Auch die Standortfrage sowie die Verbreitung des Senders gilt es noch zu klären. Und was das Programm bringen wird, "kann man wirklich nicht vorhersagen", meinte der Regisseur Virgil Widrich, ebenfalls Co-Herausgeber.

24-Stunden-Vollprogramm

Ein nicht kommerzielles Fernseh-Projekt mit partizipativem Charakter soll es auf jeden Fall werden, und zwar als 24-Stunden-Vollprogramm. "Öffentlich-rechtlich mit dicken Anführungszeichen" könnte sich "Falter"-Chef Armin Thurnher, ebenfalls im Verein an Bord, vorstellen. Junge Filmschaffende seien ständig auf der Suche nach Plattformen für ihre Projekte, so Widrich. Den "Diskurs dieser Stadt alimentieren" möchte Bauer. Das Programm werde schlicht aus den Interessen jener Gruppen, die sich für die Gestaltung engagieren, entstehen, ist man sich einig.

"Lowest Budget"

Der "Offene Kanal" ist eines der über 20 von SPÖ und Grünen in Wien vereinbarten Projekte und wurde vorab durch eine Machbarkeitsstudie abgetestet. Auf dieser basierten auch im Wesentlichen die Vorarbeiten, so Christian Jungwirth von der FH St. Pölten. Der Verein will die konkrete Arbeit indes so rasch wie möglich an die zu kürende Geschäftsführung abgeben und dann eher als "Aufsichtsrat" (Thurnher) wirken. Klar ist: Man geht das Unternehmen "lowest budget" an, wie es Journalist Peter Huemer auf den Punkt brachte.

980.000 Euro jährlich von der Stadt Wien

Von der Stadt Wien wurden für drei Jahre 980.000 Euro jährlich zugesagt (etat.at berichtete). Mit der Telekabel Wien muss man über einen Sendeplatz reden: Die Gespräche fänden auf einer guten Basis statt, berichtete Jungwirth. Es bestehe Einvernehmen darüber, dass die so genannte Must-Carry-Regelung anzuwenden sei. Diese gesetzliche Bestimmung schreibt Kabelnetzbetreibern vor, welche Sender sie jedenfalls verbreiten müssen. Anbieten würde sich wohl auch ein "Fensterplatz" beim künftigen Ballungsraumsender Puls TV. Bezüglich Partnerschaften sei man "in alle Richtungen offen", meinte Jungwirth dazu nur.

Zusammensetzung sichere "politische Unabhängigkeit"

Weitere Herausgeberinnen sind Andrea van der Straten (Kunstuniversität Linz), Brigitta Burger-Utzer (Geschäftsführerin sixpackfilm) sowie Astrid Zimmermann (STANDARD Journalistengewerkschaft). Die Vereinsmitglieder mussten zum Teil "überredet" werden, so Huemer. Der frühere "Club 2"-Moderator hat übrigens "nicht die Absicht", im "Offenen Kanal" wieder auf den Bildschirm zurückzukehren.

Die Rekrutierung der Herausgeber ging von den Rathausklubs von SPÖ und Grünen aus. Beide Parteien freuten sich am Mittwoch in Aussendungen über die Fortschritte beim Gemeinschaftsprojekt. Die Zusammensetzung des Vereins "sichert die politische Unabhängigkeit und wird auch dazu beitragen, dass das Projekt mit Kompetenz weiterentwickelt und vorangetrieben wird", so die SPÖ-Gemeinderäte Barbara Novak und Jürgen Wutzlhofer. Ähnlich Christoph Chorherr, Klubobmann der Wiener Grünen: "Ich bin sehr froh, dass ausnehmend qualifizierte Persönlichkeiten aus Medien, Wissenschaft, Kunst und Filmbranche gemeinsam die Entwicklung dieses Projekts vorantreiben."

Wiener ÖVP skeptisch

Skeptische Töne kamen dagegen aus der Wiener ÖVP: Bisher sei in der Sache "nichts Wesentliches" weitergegangen, kritisierte Klubobmann Matthias Tschirf. Und sagte "ja zu einem offenen und wirklich parteiunabhängigen Kanal. Aber ein striktes Nein zum parteipolitischen Missbrauch eines solchen Projekts und zur Verschwendung von Wiener Steuergeldern". (APA)

Nachlese

Bürgerfernsehen für Wien wird konkreter - Wien hat 980.000 Euro für drei Jahre versprochen

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