Unternehmen als große Gewinner

7. April 2004, 14:05
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Schüssel: Die Belastungsquote sinkt 2005 auf 42,3 Prozent

Wien - Die Steuerreform, die am Dienstag den Ministerrat passiert hat, sieht ab 2005 Entlastungen sowohl für Lohn-und Einkommenssteuerpflichtige als auch für Unternehmen vor.

Der Tarif bei der Lohn- und Einkommenssteuer wird neu berechnet, die Bürger sollen um 1,1 Milliarden Euro entlastet werden. Die Körperschaftssteuer für Unternehmen wird von 34 auf 25 Prozent gesenkt. Der neue Tarif bei der Lohn-und Einkommenssteuer sieht einen kontinuierlicheren Verlauf der Steuerprogression als bisher vor. Erreicht wurde dies durch eine Berücksichtigung des Arbeitnehmer- und des Verkehrsabsetzbetrages bereits im Tarif. Bis zu einem Jahreseinkommen von 15.770 Euro brutto fällt überhaupt keine Lohnsteuer mehr an. Für Einkommensteile über 51.000 Euro kommt weiterhin der Spitzensteuersatz von 50 Prozent zur Anwendung. Wegen der Einrechnung der Absetzbeträge in den Tarif kommt es zu einem unterschiedlichen Entlastungsverlauf.

Einfache Rechnung

Am geringsten ist die jährliche Ersparnis für Einkommen im Bereich von knapp 22.000 Euro brutto. Laut Regierung kann sich jeder Bürger dank des neuen Tarifs seine Steuer einfacher selbst ausrechnen - freilich erst dann, wenn er die Festlegung der Berechnungsgrundlage überwunden hat. Eine höhere Absetzbarkeit der Kirchensteuer soll den Steuerzahlern 30 Mio. Euro bringen.

Durch die Senkung des nominellen Satzes bei der Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent soll die effektive Besteuerung von derzeit knapp 27 bis 29 auf rund 21 bis 22 Prozent sinken.

Im Gegenzug zur Tarifsenkung wird die Bemessungsgrundlage verbreitert. Im Unternehmensbereich vorgesehen sind außerdem Erleichterungen bei der Gruppenbesteuerung für Konzerne. In Summe soll die Wirtschaft mit 1,1 Mrd. Euro von der zweiten Etappe der Steuerreform profitieren.

Agrardiesel

Die Landwirtschaft bekommt 50 Mio. Euro über eine geringere Besteuerung des Agrardiesels. Bereits heuer sollen Entlastungen für Familien in einem Ausmaß von 250 Mio. Euro schlagend werden. Der größte Brocken dabei ist ein nach Familiengröße gestaffelter Kinderzuschlag zum Alleinverdiener-Absetzbetrag. Für das erste Kind beträgt der Absetzbetrag 130 Euro, für das zweite 175 Euro, ab dem dritten je 220 Euro.

Mit der Steuerreform werde die Belastungsquote in Österreich 2005 auf 42,3 Prozent sinken, sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Finanzminister Grasser hält weiterhin am Ziel fest, diesen Prozentsatz bis 2010 auf 40 Prozent zu senken, was von 2005 bis 2010 weitere Einsparungen von rund sechs Milliarden Euro (auf Kaukraftbasis 2004) bedeuten würde: also zwei weitere Steuerreformen in jetziger Größenordnung. (DER STANDARD Printausgabe, 24.3.2004, mimo, APA)

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