Oh je, Ferien

1. April 2004, 18:40
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Die aktuelle Debatte reduziert die Schulproblematik auf Ferientermine - von Otto Ranftl

Kluge Eltern bauen vor - in ganz Europa, und das könnte ein Problem werden. Hoteliers, Kammerfunktionäre und Landespolitiker werden nicht müde zu warnen: Nächstes Jahr werden in der ersten Februarwoche Millionen Menschen in Ostösterreich, in Bayern und in Sachsen, in Belgien und in den Niederlanden zugleich Ferien haben. Die Quartiere werden voller als voll sein, wenn das denn möglich ist, die Preise werden höher als hoch sein, was sicher möglich ist, die Straßen werden extra überlastet sein, was ohnehin Normalferienzustand ist.

Österreichs Öffentlichkeit vernimmt das beharrlich vorgetragene Verlangen, die Semesterferien zu verschieben. Dann würden die Skifahrer aus Wien und Niederösterreich erst in den Bergen anrücken, wenn die Deutschen und Niederländer schon wieder weg sind. Ein Glück wahrscheinlich, aber für Änderungen ist es zu spät, beschied unlängst das Bildungsministerium.

Ganz lieb, der Hinweis auf Recht und Fristen, aber der österreichischen Realverfassung entspricht er nicht. In der Güterabwägung Schule oder wirtschaftlicher Schaden haben die Pädagogen wenig Gewicht. Die Ferienfrage sollte sich also schon noch bügeln lassen.

Wie die Schüler damit umgehen, ist eine Frage, die in der ganzen Diskussion kaum noch vorgekommen ist. Irgendwie werden sie Prüfungen und Schularbeiten vor der Notenkonferenz schon bewältigen. Das kann Stress verursachen. Die Diskussion darüber führt dann ganz schnell zu den üblichen Vorbehalten, mit denen die Schule seit Jahr und Tag konfrontiert ist. Wie und was unterrichtet wird, wie und was geprüft wird, darüber lohnt die Diskussion. Dazu gibt es auch ausreichend Anlass. Der schlechteste wird uns vor Augen geführt, wenn die Schulzeit auf Ferien reduziert wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.3.2004)

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