Stronachs Steuerflucht in die Schweiz

1. April 2004, 16:12
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Falter: Der Austro­kanadier versteuert sein Vermögen im Schweizer Steuerparadies Zug - Experten sehen Steuer­pflicht in Österreich

Die Wiener Stadtzeitung Falter berichtet in ihrer neuen Ausgabe, wie der Milliardär Frank Stronach sein Vermögen in das Schweizer Steuerparadies Zug verbracht hat. Stronach ist der einzige Österreicher, der in der Liste der 300 reichsten Industriellen und Familien in der Schweiz an einem der vordersten Ränge aufscheint. Geschätztes Vermögen: 1,5 bis zwei Milliarden Franken (950 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro). Die Gagen, die er jährlich für "Beratertätigkeiten" vom Magna-Konzern erhält, versteuert der Austrokanadier laut dem Zürcher Wirtschaftsmagazin Bilanz im Kanton Zug.

Steuerparadies Zug

Um in der Schweiz versteuern zu können, musste Stronach nur ein kleines Büro anmieten, ein paar Behördenwege erledigen und eine unscheinbare Gesellschaft gründen. So ist die Stronach & Co in der Baarerstraße 16 in Zug angesiedelt. Im gleichnamigen Kanton Zug liegt die durchschnittliche Unternehmensbesteuerung bei etwa elf Prozent. Zudem können sich Superreiche wie Stronach Sonderregelungen mit den Behörden aushandeln, die den Steuersatz weiter senken.

Der bei Stronach & Co anfallende Gewinn wird laut Gesellschaftsvertrag an den Komplementär der Gesellschaft "Enzian Investments & Consulting Limited" abgeführt, der auf der Ärmelkanalinsel Jersey, einem zu Großbritannien gehörenden "Steuerparadies", beheimatet ist. Als einziger Vertreter der 1994 gegründeten Enzian Investments scheine dort ein öffentlicher Notar auf, heißt es in dem Bericht.

Kanadier können im Ausland versteuern

Nach kanadischem Recht können kanadische Staatsbürger im Ausland versteuern. Allerdings dürfen sie dann keine Einkünfte in Kanada haben und jährlich maximal 180 Tage im Land verbringen. Deshalb bezieht Stronach, derzeit "director, chairman and interim president", seine Honarare nur von europäischen Niederlassungen.

Die "exzessiven Kompensationen für den Vorstandsvorsitzenden Frank Stronach" haben bei der Magna Vollversammlung im Mai 2003 zu einem Aufstand der Kleinaktionäre geführt. Der Ontario Teachers Pension Plan (OTPP) – ein Pensionsfonds kanadischer Lehrer, der unter anderem in Magna-Aktien investiert – wollte gegen die Wahl des Magna-Vorstands stimmen.

Horrende Honorare

Im Jahr 2000 habe Stronach von Magna International 28,3 Millionen Dollar bekommen, behauptet der OTPP, 2001 und 2002 jeweils 33 Millionen Dollar. Ein Großteil dieser Beträge sei in Form von Honoraren für Beraterverträge ausbezahlt worden. "Es gibt keine Erklärung, wofür dieses Geld bezahlt wurde", ärgert sich Robert Bertram, Vizechef der Investmentabteilung bei OTPP, in einem Interview mit der kanadischen Tageszeitung Globe and Mail, "oder welche Rolle Stronachs im Unternehmen diese Zahlungen rechtfertigen würden."

Auswirkungen hatte der Aufstand nicht. Durch ein ausgeklügeltes System, das Aktien in zwei Kategorien teilt, besitzt Stronach zwar nur 0,8 Prozent des Unternehmens, hält aber 67 Prozent der Stimmrechte. 2003 soll nach Angaben eines Investmentanalysten von OTPP Stronachs Gesellschaft in Zug von Magna 34,5 Millionen Dollar (28 Millionen Euro) erhalten haben. Die Verträge seien mit Magnas europäischen Unternehmen abgeschlossen worden und würden jährlich erneuert.

Aufregung in Kanada

In Kanada sorgt Stronachs Steuerflucht nach wie vor für Empörung. Belinda Stronach musste sich in ihrem Wahlkampf um die Führung der konservativen Partei in den vergangenen Wochen mehrmals für ihren Vater rechtfertigen. Sie wies jede Verbindung mit seinen Finanzgeschäften zurück. "Ich lebe hier und zahle hier Steuern. Er ist ja nicht der Kandidat", sagte sie kanadischen Reportern.

Experten sehen Steuerpflicht in Österreich

Der Falter konfrontierte mehrere Steuerexperten in Österreich mit dem Fall. Sie wollen zwar nicht namentlich genannt werden, ihr Urteil ist jedoch einhellig: Mit seinen Beratungshonoraren sei Stronach in Österreich steuerpflichtig, die österreichischen Abgabebehörden hätten nun Handlungsbedarf. (red)

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Falter
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    Frank Stronach, Patriot, Unternehmer, Milliardär

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