Swiss kämpft weiter

4. April 2004, 19:21
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Etwas Luft für die Schweizer Fluggesellschaft: Trotz eines neuerlichen kräftigen Verlustes konnte der Geldabfluss verlangsamt werden

Die Liquidität der Swiss ist zwar etwas höher als erwartet. Doch steht der dringend benötigte Notfallkredit in Höhe von rund 300 Mio. Franken noch immer nicht. "2003 war ein sehr turbulentes Jahr", sagte Konzernchef Pieter Bouw, bei der Vorlage der Bilanz.

Er sei aber sicher, dass Swiss den Turnaround aus eigener Kraft schaffen könne und verwies auf die im vergangenen Jahr eingeleiteten Sparmaßnahmen: "Swiss ist nun kleiner, effizienter und effektiver." 60 Prozent der Restrukturierung seien umgesetzt. Der Verwaltungsratsvorsitzende Bouw hatte nach dem Rücktritt von André Dosé vor zwei Wochen auch die Konzernleitung übernommen.

Abgang von 687 Millionen Franken

2003 verlor Swiss 687 Mio. Franken. Zum Jahresende betrug die Nettoliquidität noch 503 Mio., im zweiten Quartal 2004 soll der Tiefpunkt bei 250 Mio. durchschritten werden. Um die Eigenkapitalquote zu erhöhen, plant der Konzern dennoch einen Kapitalschnitt. Auch wenn fürs Erste der finanzielle Absturz vermieden werden kann, bestehen die strategischen Probleme weiter.

Beim Neustart 2002 hatte sich das Unternehmen als "Premium Carrier" präsentiert, der die Kunden mit Porzellangeschirr und Flaschenwein verwöhne. Die Billigkonkurrenz veranlasste Swiss zu einem Schwenk: In Europa locken die Schweizer nun mit Dumpingangeboten, wollen Umsatz um jeden Preis machen. Auf den Langstrecken aber bleiben sie beim Qualitätskonzept. Das passt, zumal angesichts der hohen Schweizer Lohnkosten, auf Dauer schlecht zusammen.

Zusätzlich haben sich Schwierigkeiten bei der Annäherung an die von British Airways geführte Oneworld-Allianz ergeben. Im Sommer will Swiss beitreten. Über die Bedingungen laufen seit dem Herbst knifflige Verhandlungen. Swiss zögert, ihre Kundendaten den Allianz-Kollegen mitzuteilen und ärgert sich über Preisaktionen der BA in der Schweiz.

Thomas Kirchner aus Zürich
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    Der Allianz-Partner der Swiss, British Airways, garantierte für einen neuen Kredit im Volumen von 50 Millionen Franken

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