Alpine-Chefs droht Haftbefehl

7. April 2004, 14:03
6 Postings

Chef-Ermittler: Fahndung, sobald Verantwortliche auf Geberseite feststehen

Salzburg - In der Schmiergeld-Affäre um das neue Stadion in München droht nun der leitende Münchner Staatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld den Spitzenmanagern des Salzburger Baukonzerns Alpine mit Haftbefehlen.

"Sobald die Verantwortlichen auf Geberseite feststehen, werden wir sie in Deutschland zur Fahndung ausschreiben", sagte Schmidt-Sommerfeld in der Dienstag-Ausgabe des "Wirtschaftsblattes".

Der Leiter des deutschen Ermittlungsteams in dem Bestechungs-Skandal bestätigte laut der Zeitung indirekt, eine Inhaftierung der Alpine-Verantwortlichen mit der Staatsanwaltschaft Salzburg beraten zu haben. "Derartige Gespräche zwischen München und Salzburg will ich nicht ausschließen", so Schmidt-Sommerfeld.

Im Gegensatz zur Nehmerseite, wo vor allem Karl-Heinz Wildmoser jun. als Chef der Münchner Stadion-Errichtungsgesellschaft die Vorgänge gestanden habe, halte die Geberseite die Ermittler hin.

Versuch belastende Daten zu löschen

"Es ist offenkundig, dass seitens der Alpine bei der Hausdurchsuchung der Versuch gemacht wurde, belastende Daten zu löschen. Auch die Salamitaktik bei öffentlichen Erklärungen erstaunt uns. Für die Behauptung der Alpine-Spitze, dass alles astrein ist, hätte uns ein einfacher Rechnungsbeleg genügt", meinte Schmidt-Sommerfeld.

Während Alpine-Chef Dietmar Aluta in der Vorwoche 1,4 Mio. Euro als "Arrangement Fee" eingeräumt hat, bleibt Schmidt-Sommerfeld bei der doppelten Summe: "Unsere Daten sind hier eindeutig, auch hat Wildmoser den Betrag gestanden."

Verdeckte Schmiergeldzahlungen

Die Staatsanwaltschaft München wirft der Firma Alpine vor, 2,8 Mio. Euro über Strohmänner als "verdeckte Schmiergeldzahlungen" an das inzwischen abgesetzte Führungsduo von TSV 1860 München, Karl-Heinz Wildmoser senior (64) und junior (40) geleistet zu haben.

Dadurch soll Alpine Informationen erhalten haben, mit denen sie den 280-Mio.-Auftrag für das Stadion, in dem 2006 die Fußball-WM eröffnet werden soll, erhalten hat. Alpine-Chef Aluta-Oltyan räumte in der Vorwoche eine Honorar-Zahlung von 1,4 Mio. Euro ein.

Diese habe er an einen Dresdner Bauunternehmer bezahlt, weil er von diesem den Hinweis auf das Bauprojekt und ein Schweizer Architekten-Team erhalten habe, mit denen er dann den Auftrag erhielt. (APA)

Share if you care.