Verjüngte steirische Jugendförderung

2. April 2004, 16:14
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Gender-Mainstreaming und Maßnahmen gegen Gewalt haben darin erstmals ihren fixen Platz

Graz - In der steirischen Landespolitik blieben sich die verschiedenen Parteien in den vergangenen Wochen nichts an Attacken und gegenseitigen Vorwürfen schuldig. Heiße Debatten um die Causa Estag oder Schreiduelle wegen des grapschenden VP-Hofrates - wer behauptet, Landtagssitzungen wären langweilig, wurde in der Steiermark eines Besseren belehrt.

Doch in den Ausschüssen hinter den Kulissen wird auch gearbeitet - und nicht immer nur gegeneinander. Jüngstes Beispiel ist das neue Jugendförderungsgesetz des Landes, das in der Sitzung am Dienstag zur einstimmigen Abstimmung gelangt.

Die Steiermark hatte bis dato das älteste Jugendförderungsgesetz Österreichs, es stammt aus dem Jahr 1994. Schon im Dezember 2000 hatten die Grünen einen Antrag im Landtag eingebracht, in dem sie ein zeitgemäßeres Gesetz forderten. Es folgten jahrelange Verhandlungen und Entwürfe für ein verjüngtes Konzept. Was allgemein besonders begrüßt wird, ist die Kooperationsbereitschaft von Jugendlandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (VP). Edith Zitz, Landtagsabgeordnete der Grünen, freut sich, dass nach einem ersten Gesetzesentwurf der Landesrätin alle Forderungen der Grünen und jene von parteifreien Jugendfachleuten in der Letztfassung des Gesetzes Platz fanden.

Gender-Mainstreaming

Wesentliche Neuerungen im Jugendförderungsgesetz sind die fixe Verankerung von Gender-Mainstreaming-Projekten sowie generationsübergreifenden Projekten, Maßnahmen gegen alle Formen der Gewalt, Umweltschutz und das Bekenntnis zur EU, etwa durch mehr grenzüberschreitende Jugendarbeit. Die Förderungsgrundsätze werden sich außerdem an der UN-Kinderrechtskonvention orientieren. Ebenfalls neu ist der Zuschuss vom Land an Jugendbeteiligungsprojekte in Gemeinden, wenn diese einen eigenen Posten in ihren Budgets verankern.

Splitting bleibt

Auf der landespolitischen Ebene soll mit einem neuen Beratungsgremium von Jugendfachleuten, dem "Landesjugendforum", neuer Raum für Themen der Jugendpolitik geschaffen werden. Diese bleibt allerdings weiterhin in drei Bereiche aufgeteilt: in Förderung, Schutz und Wohlfahrt. Diese Aufsplitterung ist für Zitz der einzige Wermutstropfen. In der Steiermark leben zurzeit 143.883 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren, das sind 12,3 Prozent der Bevölkerung. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.03.2004)

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