Deutschland und Frankreich beharren auf Europäer an IWF-Spitze

2. April 2004, 13:22
posten

Kein gemeinsamer Kandidat genannt

Berlin - Im Gerangel um die Besetzung des Chefpostens beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beharren Deutschland und Frankreich auf einen europäischen Kandidaten. Die Finanzminister beider Länder, Hans Eichel und Francis Mer, sprachen sich am Montag zugleich für eine rasche Einigung der EU-Staaten auf einen gemeinsamen Kandidaten aus. Einen Namen nannten sie allerdings nicht.

"Sehr gute Gründe"

Es gebe "sehr gute Gründe dafür", dass auch der künftige IWF-Chef ein Europäer sein müsse, sagte Eichel in Berlin nach einem Treffen des deutsch-französischen Wirtschafts- und Finanzrates. Die Nachfolge müsse in Europa geklärt werden. Es sei wichtig, dies möglichst rasch bis zur IWF-Tagung Ende April zu klären. Je länger die Entscheidung hinausgezögert werde, desto schwieriger werde sie. Mer erklärte, man werde sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. "Unser europäischer Kandidat wird auf alle Fälle gut sein."

Der Prestigeposten beim IWF muss neu besetzt werden, nachdem Amtsinhaber Horst Köhler zurückgetreten war. Köhler ist gemeinsamer Kandidat der Union und FDP für das Amt des Bundespräsidenten. Die IWF-Spitze wird traditionell von einem Europäer besetzt, während die Weltbank von einem Amerikaner geführt wird.

Lemierre als Kandidat Frankreichs?

Zuletzt gab es insbesondere aus Schwellen- und Entwicklungsländer Kritik. Sie forderten ein offenes und transparentes Wahlverfahren. Zudem hatte Frankreich Widerstand gegen den spanischen Finanzminister Rodrigo Rato als Köhler-Nachfolger angemeldet, nach dem die Konservativen in Spanien die Wahl verloren hatten. Französischen Presseberichten zufolge will Frankreich den Chef der Osteuropabank, Jean Lemierre, für den IWF-Posten vorschlagen. Die Bundesregierung hatte bereits klar gestellt, keinen eigenen Kandidaten zu nominieren.

Eichel und Mer forderten die EU-Kommission zugleich auf, einen festen Zeitplan vorzulegen, wie die Vorschläge für eine Wachstums- und Beschäftigungsinitiative umgesetzt werden können. Die Notenbankchefs beider Länder, die ebenfalls an dem zwei Mal im Jahr stattfindenden Treffen des Wirtschafts- und Finanzrates teilnahmen, hielten an ihren jeweiligen Konjunkturerwartungen fest.

Welteke sieht Erholung

Die deutsche Wirtschaft befinde sich trotz "gewisser Risiken" auf dem Erholungspfad, sagte Bundesbankpräsident Ernst Welteke. Es gebe keinen Anlass, die Erwartungen zu revidieren, wonach das Wachstum deutlich positiver sein werde als die negative Entwicklung im vergangenen Jahr. Welteke deutete an, dass derzeit die Europäische Zentralbank keine Zinssenkung erwägt. Die Liquiditätsversorgung sei ausreichend, "um inflationsfreies Wachstum zu generieren". (APA/dpa)

Share if you care.