Erfolgsstory mit kleinen Fehlern

1. April 2004, 19:08
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Zehn Jahre Fachhochschulen: Entwicklung nach Plan - Ziele bei privater Finanzierung und Durchlässigkeit nicht erreicht - Mit Infografik

Wien - Fällt der Begriff Fachhochschulen (FH), sprechen die Verantwortlichen meist von einer "Erfolgsstory" - vor allem im heurigen zehnten Studienjahr. Auch wenn dies nach wie vor stimme und die Entwicklung des FH-Wesens nach wie vor nach Plan verlaufe, habe man einige Vorhaben des Gründungsjahrs 1994/95 noch nicht erfüllt, betonte der Bildungsforscher und Unternehmensberater Jörg Markowitsch bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien. So hinke der Anteil der privaten Finanzierung hinterher, und auch die geplante Anzahl jener, die ohne Matura an einer FH studieren, sei nicht erreicht worden.

Fehlende private Finanzierung

Beim Start des FH-Sektors habe man mit zehn Prozent privater Finanzierung gerechnet, so Markowitsch. Tatsächlich liege man bei höchstens fünf Prozent. Ähnlich sieht es bei der Durchlässigkeit des Systems aus, also der Anteil der Studenten ohne Matura: Dieser betrage nur 6,4 Prozent statt der angepeilten zehn Prozent. Allerdings lägen diese Problemfelder meist nicht im Einflussbereich der FH selbst, betonte Markowitsch. Die fehlende private Finanzierung sei vielmehr in Österreich eine Kulturfrage, ergänzte der Vorsitzende der Fachhochschulkonferenz, Werner Jungwirth.

Technik-Sektor nicht voll besetzt

Weiteres aktuelles Problem: Während die Studiengänge im Wirtschafts- und Sozialbereich ausgebucht sind, können im Technik-Sektor nicht alle Studienplätze besetzt werden, so Jungwirth. Die Industriellenvereinigung (IV) wiederum sieht die FH an einem "Wendepunkt": Nach dem bisherigen starken Wachstum des Sektors müsse mit dem FH-Entwicklungsplan III (2005/06-2009/10) wie bei expandieren Unternehmen nun die Konsolidierung im Vordergrund stehen, so der Vorsitzende der IV-Focusgroup "FH 2010", Josef Kolarz-Lakenbacher. Nötig seien kritische Größen der jeweiligen FH und eine Mindestanzahl an Vollzeitpersonal für erfolgreiche wirtschaftsnahe Forschung.

Fix Angestellte müssen mehr werden

Auch Jungwirth betonte, dass der Anteil der fix angestellten Mitarbeiter an den FH steigen müsse. Auf eine genaue Prozentzahl wollte er sich aber nicht festlegen - wenn etwa Personen nur mehr in der Lehre tätig seien, würde der von den FH angestrebte Praxisbezug abreißen.

Bis 40.000 Studierende möglich

Nach Ansicht Jungwirths verträgt der FH-Sektor im Endausbau rund 30.000 bis 35.000 Studenten (derzeit knapp 21.000) - wenn man bei den bisherigen Themen Wirtschaft, Technik, Tourismus und Sozialberufe bleibe. Wenn andere Themenfelder dazu käme, wäre auch eine Zahl von 40.000 möglich: "Aber viel mehr werden es nicht." Das Bildungsministerium will demnächst den neuen FH-Entwicklungsplan 2005/06-2009/10 vorlegen. Ministerin Elisabeth Gehrer (V) sprach im Herbst davon, bis 2010 30.000 FH-Studenten haben zu wollen, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) nannte in der "Pressestunde" von gestern, Sonntag, 33.000 als Ziel.

Kürzungspläne vom Tisch

Vom Tisch ist für Jungwirth die vom Bildungsministerium geplante Kürzung des Normkostenzuschusses um 20 Prozent für bereits voll ausgebaute Studiengänge. Seit längerem habe man nichts mehr von den Kürzungsplänen gehört, für heuer stehe mit 117 Mio. Euro um zehn Mio. mehr Mittel für die FHs zur Verfügung als vor zwei Jahren. (APA)

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