Das Leben von Hamas-Gründer Yassin

25. März 2004, 22:17
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Gewaltsamer Tod eines Terrorchefs

Jerusalem - Die wichtigsten Daten aus dem Leben von Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin, der am Montagmorgen in Gaza bei einem gezielten israelischen Luftangriff getötet wurde:

1938 (nach Angaben Yassins): Als eines von neun Kindern im Süden des heutigen Israels in einem Fischerdorf bei Ashkalon geboren.

1948: Der Unabhängigkeitskrieg der Israelis zwingt Yassins Familie zur Flucht in den von Ägypten kontrollierten Gazastreifen. Er wächst in einem Flüchtlingslager in der Nähe des Mittelmeers auf. Beim Muscheltauchen verletzt er sich 1952 schwer an der Wirbelsäule, seither sitzt er im Rollstuhl. Studium von Sprachen und islamischer Religion unter anderem in Kairo, wo Jassin mit der verbotenen Moslembruderschaft in Kontakt kommt.

1967: Nach der Besetzung von Gazastreifen und Westjordanland durch Israel bemüht sich Yassin um eine Stärkung der Moslembruderschaft im Gazastreifen. Dem bewaffneten Kampf der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von Yasser Arafat schließt sich die Moslembruderschaft zunächst nicht an.

1984: Yassin und seine Anhänger beschließen, sich am Kampf gegen Israel zu beteiligen. Yassin wird festgenommen und zu 13 Jahren Haft verurteilt, kommt jedoch ein Jahr später bei einem Gefangenenaustausch frei.

1987: Nach dem Ausbruch der Intifada, des bewaffneten Aufstands gegen Israel, gründet Yssin die Hamas, deren Name "Eifer" oder "Hingabe" bedeutet. Sie wächst rasch zur stärksten Rivalin der Fatah-Bewegung Arafats heran.

1989: Yassin wird zusammen mit rund 200 weiteren Hamas-Mitgliedern festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. In den Folgejahren radikalisiert sich die Hamas und greift im Kampf gegen Israel zu Selbstmordanschlägen.

1993: Die Hamas versucht, die Friedensverhandlungen von Oslo zwischen Israel und Arafats PLO durch eine Serie von Selbstmordanschlägen zu untergraben.

1997: Yassin wird im Austausch gegen zwei Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad, die in Jordanien festgehalten werden, freigelassen. Bereits zuvor war eine Entlassung erwogen worden, weil sich Yassins Gesundheitszustand massiv verschlechterte und befürchtet wurde, dass er in der Haft sterben und zum Märtyrer werden könnte. Er ist schwerhörig und fast blind.

September 2000: Beginn der zweiten Intifada. Die Hamas und andere militante Organisationen verüben erneut Selbstmordanschläge, die in den folgenden drei Jahren mehr als neunhundert Menschen das Leben kosten.

2003: Israel greift verstärkt zur gezielten Tötung von militanten Palästinenserführern und erklärt, mehrere Hamas-Führer seien "für den Tod vorgemerkt".

6. September 2003: Die israelische Luftwaffe wirft eine 250 Kilogramm schwere Bombe auf ein Gebäude ab, in dem sich die Hamas-Führung versammelt hat. Yassin entkommt - bis auf eine Handverletzung - unversehrt.

30. Jänner 2004: Yassin droht mit der Entführung israelischer Soldaten, um die Freilassung palästinensischer Gefangener zu erzwingen.

22. März 2004: Ein israelischer Kampfhubschrauber feuert drei Raketen auf Yassin ab, als dieser gerade die Moschee verlässt. Der Hamas-Gründer ist auf der Stelle tot. (APA/AP)

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