Nur Härte hilft?

von Redaktion  |  12. Jänner 2006, 16:47
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Ein Kommentar von Caspar Einem zu den richtigen Reaktionen auf die Terror-Anschläge von Madrid

Der Bombenanschlag von Madrid hat nicht nur einen Schock und Bestürzung ausgelöst. Er hat auch Forderungen nach Härte gegenüber jeder Form des Terrorismus ausgelöst. Bloß: Ist das die Frage gewesen?

Gerade der Anschlag von Madrid spricht nach allem, was wir vorläufig wissen, dafür, dass er mit der Politik der Härte, der Politik der USA und ihrem Krieg gegen den Irak zu tun hatte, in dem Spanien an der Seite der USA gestanden ist. Und es spricht vorläufig manches dafür, dass er ohne diese Festlegung der spanischen Politik – übrigens auch gegen eine deutliche Mehrheit in der spanischen Bevölkerung – vermutlich unterblieben wäre. Bloße Spekulation? Ja. Aber durch Erfahrung gestützt.

Bisher weitestgehend verschont

Lassen Sie mich’s so skizzieren: Österreich ist bisher weitestgehend von islamistischen Gewalttaten verschont geblieben. Auch in Österreich ist allerdings mittlerweile der Islam die Religion, mit den zweitmeisten Anhängern. Natürlich könnten darunter auch radikale sein. Aber in Österreich ist der Islam seit den Zeiten der Habsburgermonarchie als Religion staatlich anerkannt. Und die Führer der islamischen Religionsgemeinschaft sind in die staatliche Kultusverwaltung mit einbezogen. Durch diesen offiziellen Status gibt es regelmäßige Kontakte und auch die Finanzierung des Religionsunterrichts. Die ständige Beziehung zwischen Staat und Religionsführern und die Tatsache der Gleichberechtigung der Angehörigen der islamischen Religionsgemeinschaft mit den Anhängern der anderen anerkannten Religionsgemeinschaften hat eine Wirkung. Und von der profitiert Österreich. Die regelmäßige und gute Beziehung trägt zum Frieden bei.

Immer klar gemacht

Dasselbe gilt für Österreichs Erfahrungen im Umgang mit kurdischen Organisationen, die für eine politische Lösung des Kurdenproblems eintreten. Sie sind seit Jahren hier vertreten und es gibt regelmäßige Kontakte zwischen ihnen und staatlichen Stellen bis hin zur Polizei. Österreich hat immer klar gemacht, dass es Gewalt gegen andere Konfliktparteien nicht akzeptieren und streng verfolgen würde, dass es aber politisches Engagement akzeptiert und schützt. Das hat geholfen, gewalttätige Auseinandersetzungen hier zu ersparen, die es anderswo gegeben hat.

Kommunikative Intelligenz gefragt

Ist es also Härte, um die es geht? Es ist Klarheit und Verständigung. Klarheit, dass Gewalt als Mittel der Politik nicht akzeptiert wird. Und es ist Verständigung mit den Gruppen, die für politische Lösungen eintreten. Letztlich ist es kommunikative Intelligenz: Wer etwas zu verlieren hat, ist als Partner – auch gegen radikale Anhänger von gewaltsamen Lösungen – zu gewinnen. Dort liegt Europas Chance. Härte allein genügt nicht.

Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen. Caspar Einem, ehemaliger Wissenschafts-, Verkehrs- und Innenminister ist derzeit Europasprecher der SPÖ und Vorsitzender des Bundes sozialdemokratischer AkademikerInnen.
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Jake 
07.08.2004 03:16

Hätten wir einen 9/11 erlebt ohne einen George W. Bush???. Hätten wir mit einem Al Gore einen 9/11 erlebt??? Das ist alles Spekulation, zugegeben. Aber dennoch bleibt die Frage interessant, ob nicht vielleicht gerade jene, die sich jetzt als die tapferen Krieger gegen die Feinde des Westens gebaren viel mit den Ursachen dieser Misere zu tun haben. Außerdem glaube ich, dass einer der Hauptgründe, warum Österreich bisher verschont geblieben ist nicht zuletzt unsere Neutralität ist (neben der relativen Bedeutungslosigkeit Österreichs im Weltmaßstab). Das sollten sich jene, die eifrig an der Abschaffung derselben arbeiten vielleicht auch einmal vor Augen halten.

De Rocca
28.05.2004 02:47
Verzeihen Sie Herr Einem, ist ja alles ganz interessant,

aber verwechseln sie da nicht die Terror-Organisation Al Kaida mit dem Islam.

Theodor Roll
10.04.2004 14:02
-sie würden sich wundern, Herr Einem,

was im Moment gerade in den Schulen (!!!) beim islamischen Religionsunterricht bereits für Propaganda existiert. Politiker und Schreiberlinge kommen und gehen, den Fundamentalismus muß in letzter Instanz sowieso das gewöhnliche Wählervolk ausbaden.

yotix
12.06.2004 14:54

Es ist auch mehr als verwunderlich, wenn ein Bischof (!!) zu "wehrhaftem Christentum" aufruft und Moscheen verbieten lassen will. Extremisten und Spinner gibt's hier wie dort.

kambiz david
07.04.2004 13:16
tatsache ist:

daß wenn man nur einen bruchteil der kosten was in den irak und afghanistan-krieg verpulvert wurde dazu verwendet hätte armut in den nahen osten zu bekämpfen und frieden zu stiften dann hätte wahrscheinlich 11/9 oder anschlag in madrid nie stattgefunden.
aber anstatt probleme an den wurzel zu packen bekämpft man lieber die symptome.

Shosh Levi
01.05.2004 16:57
Armut ungleich Terrormorde

Nicht die Armut macht moslemische Araber zu Meuchelmoerdern sondern die Religion. Es gibt viele arabische Christen aber keinen einzigen Selbstmordattentaeter.

Des Postings Poster 
15.05.2004 13:17
Aber klar doch...

die islamische Religion is schuld

Als ob Christen u. ander Religionen nicht morden und foltern würden.

Unterschied:
Die brauchen die Bomben nicht selber herumtragen u. zünden (muslemische Fanatiker) sondern legen Bombenteppiche (christliche Fanatiker aus USA) o. beschießen aus Helikoptern (jüdische Fanatiker).

Natürlich haben die reicheren Fanatiker auch die bessere Marketingabteilung

Leonard Michlmayr
12.04.2004 01:04
.

Ich will ihre Idee nicht abwerten, aber unter einer »Tatsache« verstehe ich etwas anderes.

Peter Stoffel
04.04.2004 19:03
Was früher...

...die Partisanen, sind heute die Terroristen.
Man darf mal ruhig hinterfragen, woher der Terrosismus kommt, bez., was der Auslöser dafür ist.

silver surfer
29.03.2004 22:56
ach ja herr einem...

...soweit ich weiß haben sind die urheber der anschläge in madrid marrokanischer abstammung...marroko ist nun luftlinie wohl 2 bis 3000 km entfernt von baghdad...
daher sehe ich hier keinen möglichen zusammenhang den krieg im irak als ursache zu sehen...vielmehr als willkommener auslöser...aber wenn das so ist kann man sich seinen auslöser ja quasi selber aussuchen...das ziel haben die terroristen aufgrund von falschen reaktionen seitens der neuen spanischen regierung ja bereits erreicht

F F
17.04.2004 19:02

Wenn sie keinen Zusammenhang sehen ist dass ihr Problem.
Die USA und Afganistan sind ja auch nicht gerade Nachbarn.

Donald Duck 
29.03.2004 16:54
Einem hat Recht, was die Verständigung ...

... mit verständigungsbereiten Menschen betrifft. Aber bei von Hass verblendeten Terroristen greift diese Politik nicht. Österreich wurde hier nicht deshalb bisher weitgehend verschont, weil es mit seinen Minderheiten fair umgeht (was ja wohl auch nur relativ zu sehen ist), sondern weil es in der direkten Konfrontation mit den Terroristen Kopf und Schwanz einzieht. Und so haben die Terroristen andere Prioritäten. Aber - wenn alle so agieren, haben wir diesen Vorteil auch nicht mehr.

Die Politik der Bush-Regierung ist übrigens nicht "hart", sondern dumm. Und kein Beweis dafür, dass man es nicht besser machen könnte.

Shosh Levi
01.05.2004 16:59

Gut gesagt! Mehr davon!

N Gallagher
30.03.2004 20:45
Da täuscht Du Dich

@ Schwanz einziehen: Lieber am Leben und lieber nicht in irgend einen Krieg mit zweifelhaften Zielen eingezogen, als mit augestrecktem Schwanz verendet (bin kein Feminist und gehöre zur Beidl-Partie, trotzdem).

@ Frieden: Na, ich glaub' es hat auch damit zu tun, dass Kreisky zeigte wo sich Israel unfair verhält.

Elisabeth Jarok
27.03.2004 21:58
leider

hat Österreich in den vergangenen 15 jahren immer nur den Kopf eingezogen (wie ich mal diese von Einem beschriebene Haltung der Konfliktvermeidung nenne). Aber sich nicht durch Dialog-Angebote oder ernstzunehmende außenpolitische Initiativen in Konflikten profiliert.
Die Initiativen kommen inzwischen sogar von der Schweiz (Genfer Nahost-Initiative), weiterhin von den Skandinaviern und sogar von Irland. Aus Österreich kommt nix mehr. gar nichts.
(wie auch, bei dieser Außenministerin bzw. diesem Außenministerium?)

kinkerlitzchen
26.03.2004 16:38
ja!

diese welt braucht idealisten.

Roland Rabe
26.03.2004 06:34

Einem tut sich etwas schwer mit der Zuordnung von Ursache und Wirkung: Auslöser für Al-Kaida Attentate ist nicht die Irak oder Afghanistan Politik der Allianz. 9/11 war d a v o r und einige gerade noch vereitelte Attentate zb in Deutschland (Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Augsburg,...) beweisen, das Kopf-in-den-Sand stecken nicht vor Terror schützt. Die Ursache des Terrors ist die Angst der islamischen Imane vor der modernen Welt und ihren Werten, vor Fortschritt, Frauenrechten, Hedonismus und Individualismus. Wenn wir an unseren Werten festhalten wollen, werden wir sie verteidigen müssen. Mit geheimdienstlichen und auch militärischen Mitteln.

Ander Expander
01.04.2004 15:04
Die Gefahr geht von den USA aus

11/9 war ein Weg um aufzuzeigen wo der Feind wohnt. Die Islamische Welt muss die USA mehr als nur hassen um sowas zu tun.
Was jeden Tag in Israel passiert und was man sich alles erlauben kann wenn die USA hinter einem steht ist mehr als unmenschlich.
Als Kollonialmacht darf man sich scheinbar alles erlauben (und auch wir sind schon von den USA abhängig)

max mayer
19.04.2004 09:26

"11/9 war ein Weg um aufzuzeigen wo der Feind wohnt."

Entschuldigen Sie die Wortwahl, aber ich kann Sie nur als "Idiot" titulieren.

Leonard Michlmayr
12.04.2004 01:09
.

Den Anschlag hat doch nicht die ganze "islamische Welt" verübt.

Shosh Levi
01.05.2004 17:06

Stimmt. Aber die ganze islamische Welt traegt Mitverantwortung, weil sie Prediger, die Massenmoerder als Martyer glorifizieren nicht hinter Schloss und Riegel setzen.

donkey mc gee
29.03.2004 17:03

bitte, bitte mehr davon! Sie glauben gar nicht, wie schön es ist, sowas hier zu lesen!

Alf von Melmak  
30.03.2004 01:30

Oh, ich denke, in der Presse finden Sie sicher mehr davon! Uebrigens auch in der Krone...

mann_von_gewicht
24.03.2004 15:40

die kommunikative lösung der europäer sieht im moment so aus, dass sie an die pa geld überweisen, das von diesen direkt an märtyrerfamilien weiterüberwiesen wird.
sehr kommunikativ.

Alf von Melmak  
28.03.2004 03:37
So sieht kommunikative Loesung aus...

Is aber schon ein bisserl vereinfachend, Ihre Weltsicht, gell?!

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