Erich-Neuberg-Preis 2003 geht an Ulrich Seidl mit "Jesus, du weißt"

30. Juli 2004, 14:46
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ORF vergibt Auszeichnung für herausragende Regieleistungen des vorangegangenen Programmjahres

Der Erich-Neuberg-Preis 2003 geht an Ulrich Seidl. Der Wiener Drehbuchautor und Regisseur erhält die jährlich vom ORF vergebene Auszeichnung für herausragende Regieleistungen des vorangegangenen Programmjahres für seinen Dokumentarfilm "Jesus, du weißt" (Kino-Start: 2. April). Die Verleihung des mit 7.000 Euro dotierten Preises erfolgt am 1. April im ORF-Zentrum.

"Unverwechselbare Handschrift"

In der Begründung der diesjährigen Preisjury (Michael Kreihsl und Wolfgang Murnberger, die beiden vorangegangenen Preisträger, sowie ORF-Fernsehfilmchef Heinrich Mis) heißt es laut ORF-Aussendung: "An Ulrich Seidl als Regisseur besticht zunächst seine unverwechselbare Handschrift. Der formalen Präzision der Bilder entspricht jene Geradlinigkeit, mit der der Regisseur in 'Jesus, du weißt' auf sein Thema zugeht. Diese Geradlinigkeit kennt weder das vordergründig Kritische noch das hinterhältig Lächerliche. Die Protagonisten wirken niemals verlegen oder beschämt. Sie sind bereit, vieles preiszugeben. Seidl belohnt dieses Vertrauen, indem er seine Darsteller niemals verrät."

Über Ulrich Seidl

Ulrich Seidl wurde 1952 in Wien geboren und studierte Publizistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Sein Studium finanzierte er mit Jobs als Nachtwächter, Lagerarbeiter und als Medikamenten-Versuchskaninchen. Erst mit 26 Jahren entschloss er sich, die Filmakademie zu besuchen, die er nach seinem Debüt "Einsvierzig" (1980) und dem umstrittenen Film "Der Ball" (1982) frühzeitig wieder verließ. Bekannt wurde Seidl 1990 durch "Good News", einen Film über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Wiener Zeitungskolporteuren. Es folgten "Mit Verlust ist zu rechnen" (1992), ein Film über österreichisch-tschechische Grenzbegegnungen, sowie "Die letzten Männer" (1994), in dem er sich mit der Vorliebe österreichischer Männer für asiatische Ehefrauen auseinander setzt.

1995 entstand "Tierische Liebe", eine umstrittene satirische Dokumentarstudie über die Tierleidenschaft vieler Österreicher. "Busenfreund" hieß das Porträt eines ungewöhnlichen Mathematiklehrers aus dem Jahr 1997. Mit der Semidokumentation "Models" (1998) über Licht- und Schattenwelt des Modeldaseins wagte Seidl erstmals den Schritt in eine neue Richtung, weg vom reinen Dokumentarfilm hin zum Spielfilm. "Hundstage" markierte eine bedeutende Weiterführung dieser Idee und kam zu internationalen Ehren: Mit "Hundstage" gewann Seidl 2001 den Großen Preis der Jury bei den 58. Filmfestspielen in Venedig.

"Jesus, du weißt" wurde bereits in Karlovy Vary, bei der Viennale und in Montreal ausgezeichnet und lief u. a. auf Festivals in Toronto, Chicago, New York, London, Amsterdam und Gent. (APA)

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  • Ausschnitt aus Ulrich Seidls "Jesus, du weißt"
    foto: filmladen

    Ausschnitt aus Ulrich Seidls "Jesus, du weißt"

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