Hamas verliert ihren wichtigsten Führer

25. März 2004, 22:17
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Charta der Terrororganisation: "Jeder Jude ist ein Ziel und muss getötet werden"

Gaza/Jerusalem - Mit dem Tod von Scheich Ahmed Yassin hat die Terrororgansiation Hamas ihren Gründer und gleichzeitig ihren wichtigsten geistlichen und strategischen Führer verloren. Als Reaktion erklärte sie Israel den "offenen Krieg". Niemand zweifelt daran, dass die Drohung ernst zu nehmen ist.

"Jeder Jude muß getötet werden"

Die "Bewegung des Islamischen Widerstands" wurde am 14. Dezember 1987 kurz nach Beginn der ersten Intifada in den israelisch besetzten Gebieten gegründet. Die Osloer Verträge zwischen Israel und den Palästinensern lehnt sie kategorisch ab. Stattdessen fordert sie die Gründung eines "Islamischen Staats", dessen Gebiet vom Mittelmeer bis zum Jordan reicht - de facto in den Grenzen des alten Palästinas unter britischem Mandat. In ihrer Charta droht die Hamas Israel mit dem "Heiligen Krieg" (Dschihad). "Jeder Jude und jeder Siedler ist ein Ziel und muss getötet werden", heißt es darin.

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Ezzedin-el-Kassam-Brigaden, ist für einige der blutigsten Anschläge gegen Israelis verantwortlich, bei denen seit 1994 hunderte Menschen getötet wurden. Für die israelische Regierung gilt die Hamas als Erzfeind. Zahlreiche führende Vertreter des politischen und militärischen Arms der radikalislamischen Bewegung wurden von Armee und Geheimdienst gezielt getötet, auch ihrem geistlichen Oberhaupt drohte die Regierung immer wieder mit dem Tod.

Unterstützung von Iran und Saudiarabien

In der Vergangenheit hatte sich die Hamas wiederholt zur Waffenruhe bereit erklärt, unter der Bedingung, dass sich Israel aus allen seit 1967 besetzten Gebieten zurückzieht. Eine Ende Juni 2003 einseitig ausgerufene dreimonatige "Hudna" scheiterte nach nicht einmal zwei Monaten. Israel hatte die Hamas und drei andere Palästinenserorganisationen von Anfang an in Verdacht, sie wollten sich mit der Waffenruhe nur eine Atempause verschaffen, um sich nach zahlreichen Angriffen auf ihre Führer neu zu organisieren.

Neben ihrem bewaffneten Kampf unterhält die Hamas eine Reihe sozialer Projekte in den Palästinensergebieten und sichert damit ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Experten schätzen, dass sie bis zu 1.200 aktive Mitglieder hat, die Zahl ihrer Anhänger aber in die Zehntausende geht. Nach israelischen Angaben wird die Hamas finanziell vom Iran und von Saudiarabien unterstützt.

Sie ist die größte Oppositionsbewegung gegen Palästinenserpräsident Yasser Arafat - und erhält zunehmend Zulauf auch von Arafats radikalen Anhängern. So übernahm der bewaffnete Arm seiner Fatah-Bewegung, die El-Aksa-Brigaden, gemeinsam mit Hamas die Verantwortung für den Doppelanschlag am 14. März in der israelischen Hafenstadt Ashdod, als zwei Selbstmordattentäter zehn Menschen mit in den Tod rissen. (APA/AP)

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