Reisebüros bangen um ihr Geschäft

6. April 2004, 19:05
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Viele neue Vertriebsschienen in der Touristik schnappen der Branche die Kunden weg - Mit höherer Servicequalität muss das Geschäftsmodell aufpoliert werden

Wien - Der Streit zwischen dem Präsidenten des Österreichischen Vereins für Touristik (ÖVT), Joseph Reitinger-Laska, und der Handelskette Tchibo, "ist typisch" für die Probleme der Reisebüros: An allen Ecken und Enden werden Reisen und Flüge schnell "over the counter" verkauft - in den Geschäften des Kaffeerösters ebenso wie bei der Filiale der Lebensmittelkette ums Eck, im Internet oder bei Reisebüros, die sich auf das "Last-Minute-Geschäft" konzentriert haben.

Typisch ist für Reitinger-Laska der Fall Tchibo, weil der Reiseriese TUI einerseits von den Reisebüros verlangt, gleiche Umsätze wie im Vorjahr zu erreichen, um auf der gleichen Provisionsstufe zu bleiben. Andererseits kommt TUI aber mit einem neuen Billiganbieter über den Kafferöster Tchibo auf den Markt: Berge & Meer.

Wurden diese zusätzlichen Vertriebskanäle, vor allem der Verkauf übers Internet, bis vor kurzem noch als neuer Weg gefeiert, zum Kunden zu kommen, sind die meisten Reiseexperten mittlerweile zu der Ansicht gekommen, dass diese das angestammtes Geschäft eher kannibalisieren denn beflügeln.

Billigflüge

Beispiel Billigflüge, wie sie von vielen Airlines mittlerweile angeboten werden: Diese Billigflüge werden zumeist ausschließlich über das Internet angeboten, ersparen sich die Airlines dadurch doch ihre Provision an das Reisebüro. Das "Redticket" der AUA beispielsweise ist erst nach einem Aufschrei der Reisebüros auch dort buchbar.

Logisch ist auch, dass eine typische Provision - gerechnet werden zwischen 18 bis 25 Euro pro Ticket - nicht mehr ins Preisgefüge passen, wenn der Flug selbst um ein Schnäppchen von 25 Euro zu haben ist. Vonseiten der Reisebüros ist das Geschäft mit den Billigtickets zwar notwendig, um den Kunden weiter ins Geschäft zu ziehen, bringt aber kaum Umsatz.

Überhaupt, die diversen Billigschienen: "Das geht an den Reisebüros vorbei, wir sind da bestenfalls eine zusätzliche Schiene zum Internet", klagt Kurt Neugebauer, Geschäftsführer des Reisebüros Zuklin.

Naturgemäß verlagert sich die Problematik sehr schnell an die Provisionsfront.

Kampf um Provisionen

Waren es bisher rund zehn Prozent des Buchungspreises, die das Reisebüro für seine Leistung einbehalten konnte, tendieren die Reiseveranstalter aufgrund ihrer zusätzlichen Vertriebsmöglichkeiten selbstbewusst zu einer Halbierung, vor allem bei so genannten Schnäppchen.

+Bei den Fluglinien selbst wird überhaupt eine Nullprovision angepeilt. Lufthansa will diese ab September in Deutschland einführen; die AUA hat im Vorjahr einen "Commissioncut" von sieben auf fünf Prozent durchgeführt. Diese Regelung gilt bis Jänner 2006. Mittelfristig erwartet Reitinger-Laska, dass "die Provision voll zum Kunden geschoben wird".

Auch die Restplatzbörsen verursachen Kopfschmerzen: "Das funktioniert aus Sicht der Reisebüros nur, wenn man dies ausschließlich macht", meint Neugebauer, "weil es sonst nur Umsatz weg nimmt." (DER STANDARD Printausgabe, 22.03.2004, Johanna Ruzicka)

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    Für Internetversierte, mündige Kunden und Schnäppchenjäger gibt es viele Möglichkeiten, billig zu den schönsten Stränden zu kommen.

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