Wohl temperierte Angriffslust

13. April 2004, 14:07
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Das VP-Wahlkampfteam setzt auf Anstecker, Aufkleber fürs Auto und eigenes TV - SPÖ-Kandidat auf Vorschläge zum Ausbau der Demokratie

Wien - Das vertraute Wechselspiel der Kombination "Du, Benita" und "Unsere künftige Bundespräsidentin - Frau Dr. Benita Ferrero-Waldner" ist Donnerstagabend, "als es losging", bereits gut gesessen.

Und auch die übrigen Tüfteleien der konservativen Wahlkampfstrategien laufen auf vollen Touren. Vom Benita-Anstecker mit Herz bis zur "Heckenscheibenbeklebungsaktion" ("Wir für Benita" am Auto) hat man noch viele Zuckerln (im konkreten Fall Milka-Herzen) im Talon, denn schließlich ist am 25. April "Damenwahl".

Sprachregelung: Angriffig, aber staatstragend

Die gefundene Sprachregelung kommt bereits locker von den Lippen, nach dem Rezept angriffig, aber mit einem gehörigen Schuss staatstragend. Angriffig in Hinblick auf SP-Gegenkandidat Heinz Fischer. Als Mann für's wirklich Grobe wird Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll ins Rennen geschickt. An der Spitze des Staates bräuchte es jemanden mit Moral und nicht jemanden mit einer Doppelmoral, polterte Pröll. Manch einer im Publikum sinnierte da, "des wär' a g'scheiter Bundespräsident gewesen", der Pröll nämlich.

"Benita-TV"

Am Freitag dann: "Benita-TV". Die ÖVP-Wahlkampfstrategen setzen einen weiteren Schritt im medialen Aufmarsch um das höchste Amt im Staat: In knapp zwei Minuten langen Videoclips können die Wahlkampfauftritte der Präsidentschaftskandidatin auf ihrer Homepage angesehen werden.

Fischer setzt auf Bodenständiges

SPÖ-Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer kann mit solchen Schmankerln nicht aufwarten, er setzt auf Bodenständiges und präsentiert in einer biederen Pressekonferenz ohne Firlefanz Vorschläge zum Ausbau der Demokratie in Österreich. "Das Demokratiethema ist eines, das mir besonders am Herzen liegt." Fischer sieht die Arbeit im Verfassungskonvent als Chance zur "Dynamisierung des demokratischen Systems".

Den Vorwurf von Ferrero-Waldner, wonach die Aussage "Frau sein alleine genügt nicht" ein sexistisches Argument sei, wies Fischer zurück. Da Ferreo-Waldner diesen Ausspruch mit "No na" quittiert hat, habe sie ihn selbst legitimiert, meint Fischer. (bel, kmo, DER STANDARD, Printausgabe 20./21.3.2004)

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    Wahlkampfauftakt von Benita Ferrero-Waldner.

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