Mini-Jobs vernichten Vollzeitstellen im Einzelhandel

22. April 2004, 20:46
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Deutsche Dienstleistungsgewerkschaft ver.di schlägt Alarm: "Vorwiegend Frauen verlieren Möglichkeit zur Existenzsicherung"

Berlin - Geringfügig bezahlte Mini-Jobs haben in Deutschland nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hunderttausende vollwertige Arbeitsplätze im Einzelhandel ersetzt. Die Zahlen zur Arbeitsplatzentwicklung aus einem von der Gewerkschaft in Auftrag gegebenen Branchenreport bestätigten die Befürchtungen, erklärte ver.di am Freitag in Berlin.

Vor allem Frauen betroffen

Demnach sank die Zahl der Vollzeitstellen und der sozialversicherten Teilzeitjobs im Einzelhandel binnen eines Jahres um 227.000, während die Zahl der Minijobs bis 2003 um 176.000 auf 835.000 stieg. "Hunderttausenden Frauen wird damit die Möglichkeit genommen, sich ein Existenz sicherndes Einkommen und eine soziale Absicherung für die Rente zu erarbeiten", erklärte ver.di-Vorstand Franziska Wiethold.

Keine zusätzlichen Arbeitsplätze

"Wir fordern die Politiker, die wider besseren Wissens behauptet haben, dadurch würden zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, auf, die gesetzliche Ausweitung der Minijobs sofort rückgängig zu machen", erklärte Wiethold. Der Einzelhandel habe 2003 insgesamt in einem Maß Stellen abgebaut, das weit über den Umsatzrückgang hinausgegangen sei.

Auf Vollzeit hochgerechnet, sei die Zahl der Arbeitsplätze in einem Jahr trotz längerer Ladenöffnungszeiten und bei steigender Fläche um 6,5 Prozent zurückgegangen. "Die Schraube ist am Anschlag", erklärte Wiethold. Sie forderte die Einzelhandelsarbeitgeber auf, die Stellenkürzungen zu stoppen. (APA/AFP)

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