News aus dem Wochenbett

20. April 2004, 20:57
5 Postings

"Woman"-Chefredakteurin Uschi Fellner sprach vom Wochenbett aus mit dem "Journalist"

Nur wenige der Sterblichen sind mit ewiger Jugend gesegnet, aber sie müssen dafür auch etwas tun. Ein Beispiel aus der Publikation "Die Österreichische Journalistin" unter dem Titel 4 x Mutter, 1 x Chefin. Zum Glück nicht umgekehrt. Denn "Woman"-Chefredakteurin Uschi Fellner sprach vom Wochenbett aus mit dem "Journalist" - das Magazin präsentiert sich bisexuell - über ihren beruflichen und privaten Erfolgsweg und legte dabei die perinatale Beichte ab: "Meine Artikel waren am Anfang grauenhaft schlecht."

Hätte sie nur auf ihre innere Stimme gehört! Als Berufswunsch definierte die junge Uschi Kölner nie Journalistin, obwohl Deutsch und Literatur in der Schule Lieblingsfächer waren und die Lehrerin ihre Aufsätze als gelungen beurteilte. Doch es sollte anders kommen. Aus der Schülerin wurde eine Redakteursschülerin, und schon bald musste die junge Redakteurin lernen, dass Artikel keine Schulaufsätze sind. In diesem Stadium steigen junge Menschen, die ihre Grenzen kennen, besser aus diesem Beruf aus.

Sie blieb. Einige Kinder später war sie Chefredakteurin bei "News", um aus dieser Position nach den Sternen zu greifen - per aspera ad astra, wie man so sagt. Und so schildert sie die Anfänge von "Woman" - zunächst noch monatlicher Prospekt zum Lifestyle-Aspekt in "NEWS": Die Beilage mit reinen Frauenthemen bot das ruhigere Ambiente vor allem für Inserenten von Kosmetik- und Luxusartikeln. Aus dem Probelauf entwickelte sich fünf bis sechs Jahre später das erste Frauenmagazin der News-Verlagsgruppe, um bis heute zu bleiben, was es im Probelauf war: das ruhigere Ambiente vor allem für Inserenten von Kosmetik- und Luxusartikeln.

An dieser Stelle in "NEWS" können die Leserinnen bis heute überprüfen, wie weit sich die vierfache Mutter von ihren schreiberischen Anfängen entfernt hat. Ihre letzten Beiträge standen ganz im Zeichen einer aufwühlenden Auseinandersetzung mit der Technik. Denn, wir ahnen es schon: Das Neugeborene im Haus hat einen neuen Kinderwagen. Ich will ihn nur zusammenlegen, um ihn im Auto zu verstauen. Aussichtslos. Es entspinnt sich ein packender Kampf zwischen Mutter und Materie. Ich rüttle und schüttle und trete ihn ein wenig in die Flanken, Herrgott, er rührt sich keinen Millimeter. Der Kindesvater eilt herbei, ein bekannter Kinderwagenspezialist, gleich werden wir gescheiter sein. Doch auch in diesem Hause wird der Mann überschätzt. Er rüttelt und schüttelt und tritt das Ding ein wenig in die Flanken - ältere Ehepaare werden einander bekanntlich immer ähnlicher. Umsonst.

Vergeblich auch die Flucht in die Erinnerung. In der Kinderwagenabteilung von "Möbel-Leiner" - keine Schleichwerbung! - hörte ich die Verkäuferin einst sagen: "DER WAGEN LÄSST SICH IN EINER SEKUNDE AUF HANDTUCH-GRÖSSE ZUSAMMENFALTEN." Beim Möbel-Leiner spricht das Personal in Großbuchstaben. Aber sie hat nicht verraten, ob von Gozilla (sic!) oder Rübezahl, durch Handkantenschläge oder Hypnose. Vom Kindesvater jedenfalls nicht. Doch bald werde ich es wissen, setzt die Kindesmutter auf weibliche Durchschlagskraft, andernfalls muss ich mit ihr verfahren wie mit meinem Kinderwagen: Rütteln und schütteln und ein wenig in die . . . na, Sie wissen schon.

Die Drohung ist dunkel, umso heller ist die eine Woche später doch noch erwachte Freude an dem widerspenstigen Gefährt. Nun schlage ich also ein britisches Paparazzi-Magazin auf, um mir die große Welt zumindest virtuell ins Haus zu holen. Ich sehe eine Menge Models auf jeder Menge Partys, aber vor allem: Kate Moss, beim Shopping, mit MEINEM KINDERWAGEN. Wow. Gestohlen? Nein. Genau das gleiche Modell, und ihr verkrampfter Ausdruck im Gesicht verrät, dass auch sie die zugehörige Gebrauchsanweisung nicht auf Anhieb verstanden hat. Das ist Frauensolidarität! Wenn Kate Moss nur nicht zum Möbel-Leiner rast, um die Verkäuferin ein wenig in die ... na, Sie wissen schon.

Aber damit haben sich Frau Fellners schreiberische Anfänge noch nicht erfüllt. Ich schlage also anderntags ein neues Paparazzi-Magazin auf (Wer nachts zwischen drei und fünf das Baby schaukelt, will nicht von Reich-Ranicki genehmigte Ach-wie-sind-wir-intellektuell-Literatur, sondern einfach Menschen sehen, die noch fertiger ausschauen als man selbst). Und was sieht sie? Reich-Ranicki? Ich sehe: Kate Winslet, im hässlichen Trainingsanzug, beim Shopping, mit MEINER BABY-BAUCHTRAGE umgeschnallt.

So etwas kann einen ganz schön aufbauen. Gewonnen! So was kann einen ganz schön aufbauen, morgens um halb vier. Ist natürlich auch kein Grund anzugeben. Aber DAS ist jetzt einer! Ich blättere weiter und sehe: Claudia Schiffer mit Babysohn. Und der trägt: DEN GLEICHEN SPUCKLATZ WIE MEIN SOHN!

Wenn jetzt noch Madonnas Kind in die gleichen Windeln nässt wie ihres, wären die schreiberischen Anfänge endlich überwunden. (DER STANDARD; Printausgabe, 19.3.2004)

Von Günter Traxler
Share if you care.