Handschellen-Schlüssel lag Dutroux vor Augen

8. April 2004, 15:30
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Ein vor der Gefängniszelle entdeckter Schlüssel löste Spekulationen über dessen Fluchtversuch aus

Arlon - Ein neuer Skandal erzürnt die Belgier: Marc Dutroux, der sich derzeit im südbelgischen Arlon wegen Mordes an vier Mädchen vor Gericht verantworten muss, hatte Zugang zu Handschellenschlüsseln. Ein Aufseher hatte die Schlüssel in einem Salzfass in einer Gefängnisküche gefunden. Die Küche liegt neben der Zelle von Dutroux, er darf sich dort selbst Essen zubereiten. Justizministerin Laurette Onkelinx kündigte sofortige Ermittlungen an.

Dutroux zeigte sich laut seinen Anwälten "überrascht" über den Fund. Er habe davon erst am Donnerstagmorgen im Radio gehört. Möglicherweise handle es sich "um einen Versuch, ihn zu diskreditieren", sagte Dutroux-Anwalt Ronny Baudewijn.

Ein Fluchtversuch sei aber nicht möglich gewesen, betonte Baudewijn. Auch die Nachrichtenagentur Belga zitierte einen Gefängnissprecher mit den Worten, der Schlüssel passe nicht zu den Handschellen, die Dutroux auf dem täglichen Weg zwischen Gefängnis und Gerichtssaal tragen muss.

Dritter Vorfall

Es ist bereits der dritte derartige Zwischenfall seit Prozessbeginn am 1. März. Am ersten Tag des Verfahrens stand die Hecktür eines Polizeitransporters offen, in dem Dutroux zum Gericht gefahren wurde. Einige Tage später veröffentlichte ein Magazin Fotos aus dem Gefängnisalltag des Angeklagten. Daraufhin wurde ein Wächter vom Dienst suspendiert. Dutroux gilt aber als der bestbewachte Gefangene Belgiens.

Erinnerung an Flucht

Der Vorfall erinnert an die spektakuläre Flucht Dutroux' aus der Haft 1998. Damals war es ihm gelungen, bei einem Besuch in einem Gerichtsgebäude Wächter zu überwältigen. Erst ein Großkommando der Polizei konnte ihn nach einigen Stunden wieder festsetzen. Der Vorfall hatte schwer wiegende Folgen: Innenminister Johan Vande Lanotte und Justizminister Stefaan de Clerck mussten zurücktreten.

Hinter verschlossenen Türen sagten in dem Prozess am Donnerstag Gerichtsmediziner aus. Sie hatten die Leichen von vier getöteten Mädchen untersucht, die im Spätsommer 1996 auf Grundstücken von Dutroux gefunden worden waren. Am Montag wird der Prozess fortgesetzt. (DER STANDARD, Printausgabe 19.03.2004)

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    Marc Dutroux

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