Eine schwarze Hymne auf Ferrero-Waldner

25. April 2004, 16:59
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Barbara Fischer, Barbara Stiglmayr: Benita Ferrero-Waldner – Die Kandidatin. Frauen bewegen Österreich Molden, Wien 2004 215 Seiten, 22,80 5

Eigentlich, sagt Autorin Barbara Stiglmayr, eigentlich hatte sie eine Festschrift zum 80. Geburtstag der ehemaligen Zweiten Nationalratspräsidentin Marga Hubinek schreiben wollen. Dann kam ihr die Kandidatur von Benita Ferrero-Waldner dazwischen – und aus der Festschrift für Hubinek wurde die Festschrift für Ferrero- Waldner, eine Hagiografie der Präsidentschaftskandidatin. Stiglmayr war PR-Chefin im ÖVP-Klub, Koautorin Barbara Fischer arbeitet im Büro von Außenministerin Ferrero- Waldner. Dementsprechend hymnisch ist die Beschreibung der Kandidatin ausgefallen.

Textprobe über Ferreros Lächeln: „Es ist nicht Zeichen der Unsicherheit, der Verlegenheit. Es ist weder spöttisch noch sarkastisch, noch überheblich. Es signalisiert vielmehr Offenheit, Bereitschaft zur Zuwendung, Sicherheit und Großzügigkeit. Und es strahlt positive Energie aus.“ Wesentlich interessanter als diese Festschrift für Ferrero- Waldner ist der Abschnitt des Buches, in dem 24 bürgerliche „first ladies“ porträtiert werden – die jeweils ersten Frauen in ihren Funktionen. Darunter sind bekannte wie Waltraud Klasnic, die erste Frau Landeshauptmann, oder Maria Schaumayer, die erste Nationalbankpräsidentin.

Aber auch weniger bekannte wie Maria Franc, die erste schwarze Bezirksvorsteherin im roten Wien, deren (letztlich verlorene) Kämpfe und Probleme mit den eigenen Partei- „Freunden“ anschaulich geschildert werden. Viel weiter weg von der historischen Wahrheit ist der dritte Teil des Buches, der über Frauenpolitik und Frauenbewegung in Österreich. Sie ist ausschließlich auf bürgerliche Frauenpolitik fokussiert – fast so, als ob es Johanna Dohnal und Co nie gegeben hätte. (Eva Linsinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.3.2004)

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