Die "Oberstufe Neu" soll ein Modell der Module sein

1. April 2004, 19:08
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Schulexperten diskutieren die künftigen Ausbildungsstandards

Wien – Kommenden September ist es so weit. Ab dieser Zeit tritt die AHS-Oberstufenreform in Kraft und bringt im Kern ein Mehr an Schulautonomie mit sich.

Damit können Schulen künftig selbständig Schwerpunkte setzen, was bisher nur im Rahmen von Schulversuchen möglich war. Bei einer STANDARD-Bildungsdiskussion in Kooperation mit dem Elternverein der Wiener AHS Rahlgasse diskutierten Mittwochabend Experten in Sachen innovative Schulprojekte unter der Leitung von Andrea Waldbrunner mögliche Zukunftsszenarien für eine "Oberstufe Neu".

Ein Muss zur Veränderung bestehe bei der bevorstehenden Reform etwa nicht, präzisiert Karl Blüml vom Wiener Stadtschulrat. Die für jede Schule rund 18 autonom zu gestaltenden Wochenstunden müssten nicht zwingend genützt werden. Blüml erwartet sich dennoch ab Herbst 2004 eine Schwerpunktsetzung an rund 70 Prozent der AHS in Wien.

Gleichzeitig werde es zu einer wachsenden Zahl modularer Oberstufenmodelle wie etwa am Wiener BRG Krottenbachstraße kommen.

Deren Schulleiter, Georg Latzke, skizziert drei wesentliche Parameter des an seinem Standort ab der sechsten Klasse praktizierten Kurssystems: "Die Hochschulreife muss nach wie vor gegeben sein, eine möglichst breite Allgemeinbildung" und "wir wollen die Schüler zu Eigenverantwortung und Selbständigkeit erziehen." Dabei müsse man zwei Termini aus dem Schulvokabular streichen, sagt Latzke: "Durchfallen und Aufsteigen."

In der Praxis sieht dieses Modell vor, dass ein Schüler trotz eines negativ abgeschlossenen Basismoduls in allen Fächern aufsteigen kann und die Prüfung im nächsten Schuljahr wiederholt. Sollte das wieder misslingen, hat er die Möglichkeit beide Module parallel zu absolvieren. Wesentlicher Vorteil ist der Verbleib im Sozialverband "Klasse". Zusätzlich bewirke dies eine Kostenersparnis.

Für Helmuth Aigner, Direktor der Europäischen Schule in München, zeigt sich nicht zuletzt ob solcher Projekte die Qualität heimischer Pädagogik-Modelle. Er kritisiert: "Es herrscht ein fast hysterischer Bildungstourismus nach Skandinavien." Das an europäischen Schulen bereits realisierte Modulsystem müsse aber auch in Österreich gängiger Standard werden. Ausländische Studenten könnten mit ihrem Abschluss problemlos an heimischen Unis studieren, womit Sorgen bezüglich mangelnder Allgemeinbildung unbegründet seien.

Auch für den Klubobmann der Wiener Grünen und Mitbegründer der Privatschule W@lz, Christoph Chorherr, ist Lernen ein "hochindividueller Akt". An der "Walz" versucht man dem mittels "Selbststeuerung" der Jugendlichen entgegenzukommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.3.2004)

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