Kampflächeln bis zum Umfallen

5. April 2004, 12:58
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Ferrero-Waldner verspricht beim Wahlkampfauftakt, sich nicht in die politischen Tagesgeschäfte einzumischen

Wien - Unter den Palmen des Pyramide-Hotels in Vösendorf (NÖ) ist Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) Donnerstag Abend in ihren Hofburgwahlkampf gestartet. Bejubelt von rund 4.000 Fans und begleitet von ihrem Ehemann Francisco und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel schritt die Außenministerin unter lautem Applaus und dem Jamelia-Song "Superstar" durch die Reihen. Für ihren Ehrentag hatte sich Ferrero-Waldner in Weiß-Rot-Creme gekleidet. Als Unterstützer ihrer Kandidatur outeten sich u.a. "Beauty und Power für Österreich", die "Pferdefans", die "Traditionsschützen" sowie die "ÖVP-Altbürgermeister".

"Bis zum Umfallen"

Die Außenministerin versprach ihren Anhängern "bis zum Umfallen zu kämpfen, um die erste Bundespräsidentin Österreichs zu werden". Als Staatsoberhaupt will Ferrero-Waldner "keine Oberlehrerin der Nation und keine Besserwisserin" sein: "Ich werde mich in die politischen Tagesgeschäfte nicht einmischen." Zu der Veranstaltung im "Pyramide"-Hotel hatten die Unterstützer der Außenministerin jede Menge Prominenz geladen. Als Redner kamen unter anderem Kanzler Wolfgang Schüssel, Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll sowie Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder zu Wort. Aus der Fernseh-Szene outeten sich "Soko Kitzbühel"-Star Christina Sprenger und "Schlosshotel Orth"-Darsteller Albert Fortell als Ferrero-Waldner-Fans. Für die musikalische Umrahmung sorgten Sandra Pires und das "No Problem Orchester". Durch den Abend führte "Pro7-Austria-Moderatorin" Sabine Mord.

Gleich zu Beginn ihrer Rede versicherte Ferrero-Waldner, dass der Event einen großen Augenblick für sie darstelle - "und ich habe zur Feier des Tages mein berühmtes Kampflächeln für Euch mitgebracht". Dieses sei eines ihrer Symbole neben internationaler Erfahrung, Reform- und Einsatzfreude, "anerkanntem Durchsetzungsvermögen" und einigem Mehr.

"Beleidigung für alle Frauen"

Die Außenministerin ärgerte sich in ihrer Ansprache über Meinungen, wonach Frau allein sein nicht für die Hofburg genüge. Dies sei ein uraltes sexistisches Argument und stelle eine Beleidigung für alle Frauen und alle modernen Männer dar. Einen direkten Angriff setzte es diesmal auch auf Ferrero-Waldners SPÖ-Kontrahenten Heinz Fischer.

Anlass dazu bot die Aussage des Zweiten Nationalratspräsidenten, wonach das Bundespräsidentenamt nichts für Amateure sei. Dies sage viel über das Amtsverständnis und das Demokratieverständnis desjenigen aus, der so einen Spruch verwende, meinte Ferrero-Waldner, ohne Fischer namentlich zu nennen. Diese Aussage zeuge ihrer Ansicht nach "von unfassbarer Arroganz" und sei ebenfalls eine Beleidigung aller Österreicherinnen und Österreicher.

"Schutzherrin des Bundesheers"

Sicherheitspolitisch wiederholte Ferrero-Waldner ihre während der vergangenen Monate geäußerte Maxime, wonach Österreich innerhalb Europas solidarisch sein solle und außerhalb des Kontinents neutral. Gleichzeitig versicherte sie, sich als politische Schutzherrin des österreichischen Bundesheers zu betätigen, sollte sie in die Hofburg einziehen.

"Patriotismus, nicht Partei" Nicht ausgelassen wurde von Ferrero-Waldner naturgemäß auch ihre internationale Erfahrung, etwa im Kampf gegen die "rechtswidrigen Sanktionen" der EU-14 gegen Österreich: "Patriotismus, nicht Partei" war die Devise"

"A Kiss Is Not A Kiss"

Umrahmt wurde die Veranstaltung im zweiten Teil u. a. von einem "Benita-Video", in dem die Ferrero-Waldner-Werber auch Mut zur Selbstironie bewiesen. Zum Evergreen "A Kiss Is Not A Kiss" wurde Ferrero-Waldner gezeigt, wie sie sich durch die internationale Politwelt - von US-Außenminister Colin Powell bis zum ehemaligen britischen Außenamtschef Robin Cook - von Wange zu Wange küsste. Auch sonst gab es in den Videoeinspielungen Ferrero-Waldner aller Orten. Zu sehen war die Außenministerin u. a. mit Russlands Präsident Wladimir Putin, dem deutschen Außenminister Joschka Fischer und bei ihrem fast legendären Auftritt beim EU-Gipfel auf den Azoren, als sie sich mit der einheimischen Mütze schmückte.

Übersetzungskosten

Bezüglich ihrer Amtsführung als Staatsoberhaupt erklärte Ferrero-Waldner, sie wolle vieles anders machen - in Stil und Inhalt. Dabei wolle sie etwa die Tore der Hofburg weit aufmachen: "Ich will zu den Menschen gehen und die Menschen sollen zu mir kommen können. Im 21. Jahrhundert muss der Bundespräsident zugänglich sein und zuhören können." Als besonderen Vorteil schilderte Ferrero-Waldner ihre Vielsprachigkeit: "Ich kann Euch versichern, dass die Übersetzungskosten in der Hofburg noch nie so gering gewesen sein werden, wenn ich Bundespräsidentin bin." (APA)

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    Benita Ferrero-Waldner: "... und ich habe zur Feier des Tages mein berühmtes Kampflächeln für Euch mitgebracht".

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