Hedgefonds: Unter dem Banner stabiler Erträge

7. April 2004, 14:54
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Das neue Investmentfondsgesetz öffnet Hedgefonds in Österreich die Türen - Großinvestoren wie Privatanlegern werden sie als Stabilisatoren mit Chance auf hohe Erträge verkauft

Wien - Das Bankhaus Spängler und die Bawag Invest sind die ersten heimischen Fondsgesellschaften, die ihren Kunden Hedge-Dachfonds verkaufen. Seit Mitte Februar erlaubt das neue Investmentfondsgesetz auch den 23 heimischen Kapitalanlagegesellschaften die Konstruktion von Dachfonds aus Hedgefonds für das Publikum. Eine Menge solcher Konstruktionen sind derzeit in den Produktpipelines.

In der Spezialkategorie Managed Futures spielen Österreicher auch international schon länger eine Rolle. Mit Managed Futures wird an liquiden Terminbörsen auf fallende oder steigende Märkte spekuliert.

Namen wie Hasenbichler, Quadriga (Superfund) oder SMN genießen bei Großkunden einen guten Ruf. Erfolgreich konnte sich auch C-Quadrat positionieren.

Wirkliche "Demokratisierung" beginnt erst jetzt

Die wirkliche "Demokratisierung" hin zu den Publikumsaktionären beginnt aber erst jetzt. Quadriga hat die Mindesteinstiegssummen gesenkt und Ansparpläne eingeführt, Epicon legte neue Hedgefonds-Garantieprodukte auf.

Berechnungen der US-Börsenaufsicht SEC zufolge sind weltweit derzeit rund 800 Mrd. Dollar in Hedgefonds, also rund fünf Prozent des Anlagevolumens, investiert. Tendenz: stark steigend bei gleichzeitig immer leichterem Zugang für Kleinanleger durch immer geringere Mindesteinstiegssummen. Eine-Million-Dollar-Einstiegsschwellen sind schon lang passé.

"Der Trend 2004"

Entsprechend nennen auch Europas Fondsmanager in einer aktuellen Umfrage des Finanzdienstleisters Morningstar das Thema Hedgefonds als "zentrales Investmentthema 2004".

Absolute Return, also Erträge in steigenden und fallenden Märkten, lautet die Sehnsucht, die Hedgefonds erfüllen wollen. Klar, wer sucht sie nicht, wenn die Zinsen niedrig und die Börsen im besten Fall unberechenbar sind. Das Motto lautet: Befreiung von der totalen Abhängigkeit der Märkte.

Für eine solche Möglichkeit der Befreiung haben Hedgefonds viele Argumente auf ihrer Seite, weil sie Investmentstile und Spekulationsinstrumente benützen dürfen, die Managern herkömmlicher Fonds verboten sind.

Historische Vergleiche

In historischen Vergleichen können die Anbieter auch belegen, dass sich ihre Produkte unabhängig von Aktienindizes bewegen und mehr Parallelität zu Anleihenbarometern aufweisen.

Aus dieser geringen Korrelation zu Aktien entsteht auch das Verkaufsargument von "Fallschirmen", die ein Depot gegen Verluste auf der Aktien- oder der Anleihenseite absichern können.

Hedge-Dachfonds - und damit die neuen Anbieter aus den heimischen Fondsgesellschaften - verweisen darüber hinaus auf die zusätzliche Risikostreuung durch Investments in verschiedene Stilrichtungen der Hedgefondsindustrie.

Um risikoscheuen Anlegern gerecht zu werden, mehren sich auch die Hedge-Produkte mit eingebauten Kapitalgarantien oder Varianten mit Begrenzung der möglichen Verluste.

Denn immerhin: Rund 40 Prozent der Produkte fallen aus dem Markt und die legendäre Milliardenpleite des LTCM-Fonds 1998 sitzt noch im Gedächtnis.

Gegner solcher Produkte sehen Hedgefonds als Gefahr für Märkte und Anleger. US-Notenbankchef Alan Greenspan wiederum schätzt an der Hedgefondsindustrie, dass sie für Liquidität und Bewegung an den Börsen sorgt.

Wichtige Fragen

Empfohlen werden die Produkte Privatanlegern als Beimischung zum Portfolio. Abgesehen von der Tatsache einer hochriskanten Anlage, die im Fondsprospekt der heimischen Kapitalanlagegesellschaften auch als solche ausgewiesen werden muss, bleibt für Privatanleger noch die Kostenseite als Prüfkriterium: Hedgefonds folgen nicht nur wesentlich geringeren Auflagen bei der Transparenz, sondern haben auch Extrakostenstrukturen. Vor allem die Performance-Fee für die Manager kann ordentlich zu Buche schlagen.

In Österreich muss ab einem Hedgefondsanteil von zehn Prozent in einem Dachfonds ein Warnhinweis auf das Risiko im Fondsprospekt abgedruckt sein. Vergleichbar sind die Produkte nur sehr schwer.

Einerseits wegen ihrer geringen Transparenz in der Investitionspolitik und im nur marginalen Ausweisen ihrer Politik, andererseits wegen des riesigen Anlagespektrums, in dem sie sich bewegen dürfen. (DER STANDARD Printausgabe, 18.03.2004, Karin Bauer)

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