Qualität im Journalismus: Diskussion um Rolle der Privatsender

2. April 2004, 14:37
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ATVplus will Qualität vor allem in Information leisten - Kronehit verweist auf Nachrichten und ausgedehnten Mittags-Talk - Lokale Information sehr teuer

Der kürzlich veröffentlichte "Bericht zur Lage des Journalismus" zieht für die heimische Medienlandschaft wieder eine "eher negative" Bilanz. Kein wirklich gutes Zeugnis wird dabei privatem Radio und Fernsehen ausgestellt. Ob und wie Privat-TV und -Radio zur publizistischen Qualität in Österreich beitragen können, war daher am Dienstagabend Thema einer von der "Initiative Qualität im Journalismus" organisierten Diskussionsveranstaltung. Wie so oft drehte sich die Debatte dabei vor allem ums liebe Geld.

Hans Heinz Fabris vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg, der Herausgeber des Berichts, betonte, dass man keineswegs nur tadelnde Worte für die Privaten gefunden habe. Positiv vermerke etwa der Bericht einen höheren Anteil von Eigenproduktionen auf ATVplus im Vergleich mit ORF 1, außerdem werde ein Bemühen um "lokale Bezüge" festgestellt.

Private Qualitätsstandards

Qualität könne ATVplus vor allem bei den Nachrichten leisten, sagte Michael Trauer, Chefredakteur des Senders. Hier brauche es auch für Private Qualitätsstandards, "das muss so sein". Bei anderen Produktionen sei es notwendig, zu Gunsten der Quote von Qualität abzusehen. Mit seinen Nachrichten sei ATVplus auf dem richtigen Weg, ist sich Trauer sicher. Bei den jüngsten Landtagswahlen sei man "schneller als der ORF" gewesen, wobei man aber ohnehin "nicht Nachrichten wie der ORF" machen wolle, sondern "über den Tellerrand schauen" will.

Lokalnachrichten teuer

Martin Zimper, Geschäftsführer des Radioverbundes Kronehit, trat gegen das Klischee des Formatradios als reine Musik-"Jukebox" auf. Kronehit bringe halbstündlich Nachrichten und könne auch mit der täglichen zweistündigen Talkshow mit Karin Resetarits punkten. "Live und ungeschnitten" seien da täglich Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft zu Gast. Finanziell nicht leistbar sind seiner Ansicht nach aber Lokalnachrichten. Außerdem gebe es dafür eine zu geringe Hörerschicht.

Zimper und Fabris würdigten auch die Leistungen der Freien, nichtkommerziellen Radios, die allerdings finanziell schlecht dastünden. Diese Projekte ermöglichten Bürgerkommunikation und -beteiligung im Äther und erfüllten damit einen Auftrag. Dafür sollte es auch Gebührengelder geben, meinte Zimper. "Hier hat die Medienpolitik die Weichen falsch gestellt", befand auch Fabris. (APA)

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