Aufsichtsbehörden für Wirtschaftsprüfer

2. April 2004, 13:23
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Nach den Bilanzskandalen in Europa will die EU in einer neuen Richtlinie nationale Prüfbehörden für Wirtschaftsprüfer - Die heimische Finanzmarktaufsicht mag diese Idee und will die Prüfer prüfen

Brüssel/Wien - Wirtschaftsprüfer haben nach der Reihe von Bilanzskandalen international ein Imageproblem. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Wert von Jahresabschlüssen beschädigt.

"Wenn das Vertrauen nicht schnell wieder her gestellt wird, sind Arbeitsplätze und Wachstum in Gefahr", sagt EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein und will deshalb die Abschlussprüfer in Europa schnell strengeren Regeln und Berufsgrundsätzen unterwerfen.

Richtlinie

Eine entsprechende Richtlinie wurde am Dienstag vor gestellt. Investoren sollen sich künftig auf geprüfte Unternehmensabschlüsse verlassen können und die EU besser gegen Skandale wie zuletzt Ahold und Parmalat wappnen. Die Mitgliedsländer im EU-Ministerrat und das EU-Parlament müssen den Vorschlägen allerdings noch zustimmen.

Ein zentraler Punkt dieser Richtlinie, gegen den sich die Lobbyisten der Wirtschaftsprüfer bereits formiert haben, ist, die Prüfer unter nationale Aufsicht zu stellen und diese Aufsichten dann auf EU-Ebene zu koordinieren.

In Österreich würde demnach die Finanzmarktaufsicht (FMA) als Behörde die Kontrollfunktion übernehmen. Sie begrüßt eine solche Idee. FMA-Chef Andreas Grünbichler sagte zum STANDARD, "wir sind bereit, einen solchen Beitrag zu leisten".

Die bereits vorgebrachte Kritik der heimischen Wirtschaftsprüfer, dass die FMA dafür Hundertschaften von Mitarbeitern benötige, schmettert Grünbichler ab: "Wir üben unsere Aufsichtsfunktion über den ganzen heimischen Finanzmarkt mit 200 Mitarbeitern aus".

Eine Frage des "Wie"

Die zusätzliche Prüfung auch der Wirtschaftsprüfer sei eine Frage des "Wie". Laut Bolkestein-Vorschlag bekäme dann jeder nationale Wirtschaftsprüfer einen EU-Pass, der ihm von der nationalen Behörde ausgestellt wird.

Neben der Einführung internationaler Rechnungslegungsstandards sollen Firmen künftig Prüfungsausschüsse bilden, die direkt und ohne Umweg über das Management mit den Prüfern kommunizieren, diese auswählen und den Aktionären vorschlagen. So soll "Freunderlwirtschaft" zwischen Management und Prüfern unterbunden werden.

Die Prüfer selbst müssen unter anderem Transparenz-und Qualitätsberichte sowie eine Erklärung zu ihrer lauteren Unternehmensführung abgeben.(DER STANDARD Printausgabe, 17.03.2004, Karin Bauer)

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