Spanien, fruchtbarer Boden für Extremisten

9. April 2004, 12:47
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Soziales Elend, antiwestliche Propaganda

In Spanien, wo über eine halbe Million Muslime leben, stoßen radikale Islamisten vor allem in den großen Städten des Landes und in den beiden nordafrikanischen Enklaven Ceuta und Melilla auf fruchtbaren Boden. Immer wieder flogen in Madrid und Barcelona algerische Jugendbanden auf, die es neben Bargeld und Kreditkarten vor allem auf Ausweispapiere von Touristen abgesehen haben. Die Polizei vermutet, dass diese für die klandestine Immigration, aber auch für den algerischen Untergrund bestimmt sind.

Unter den jungen Immigranten aus Algerien befinden sich viele, die in ihrer Heimat Kontakt mit islamistischen Gruppen wie der verbotenen Islamischen Heilsfront (FIS) hatten. Sie sind auch weiterhin für islamistische Propaganda zugänglich. Das Gleiche gilt für Einwanderer aus Marokko, unter denen laut Sozialarbeitern heute verstärkt fundamentalistische Ansichten umgehen. Ihre aussichtslose soziale Lage verstärkt bei vielen die Anfälligkeit für antiwestliche Propaganda.

Besonderes Augenmerk legen die Behörden auf die beiden nordafrikanischen Enklaven Ceuta und Melilla, wo starke muslimische Minderheiten leben und viele Kontakte zu radikalen Gruppen aus Marokko bestehen. Einige der jungen muslimischen Spanier schlossen sich sogar den über 300 marokkanischen Afghanistankämpfern an. Der bekannteste Fall: Hamed Abderraman. Der 30-Jährige aus Ceuta wurde von der US-Armee in den Bergen von Tora Bora festgenommen und nach zweijähriger Haft in Guantánamo nach Spanien überstellt.

Trotz der offenkundigen Gefahren hat die Regierung Aznar in den letzten Monaten über die Hälfte der Polizisten, die sich mit Islamisten beschäftigen, abgezogen. Die Wahlen standen ins Haus. Angesichts der Zunahme der "normalen" Bandenkriminalität wurden sie versetzt, um den Bürgern das Gefühl von mehr Sicherheit zu geben. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2004)

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