Raum für Lebensenergie

29. Juli 2004, 10:57
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Technik bleibt ein notwendiges Übel, so eine Accenture-Studie, die die Berufs- und Lebenspläne junger Frauen untersuchte

Die Accenture-Studie "Frauen im Profil" hat die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Lebensentwürfe und Karrierepläne junger Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen untersucht. Fazit: "Die Frauenbewegung ist in die Wechseljahre gekommen", so Heidemarie Schutt, Associate Partner bei Accenture in Österreich.

Die jungen Frauen seien pragmatisch, sicherheitsbewusst und zielorientiert, aber auch ein Stück weit leidenschaftslos, so Schutts Analyse. In ihren Wünschen und Zielen unterschieden sich die Studentinnen kaum von ihren männlichen Studienkollegen, in Schule und Ausbildung seien sie im Schnitt gar erfolgreicher als gleichaltrige Burschen und Männer. Bei der Wahl ihres Studienfaches berücksichtigten sie verstärkt die späteren Berufsaussichten und Aufstiegschancen und schüfen sich karrieretechnisch günstigere Startbedingungen.

Stiefkind Technik

Mit Ausnahme der Technologie-Kompetenz. Über zwei Drittel der Männer (67 Prozent), aber nur 31 Prozent der jungen Frauen haben ein überdurchschnittliches oder starkes Interesse an Technologie. Für Frauen bleibt der Umgang mit der Technik eher eine Einsicht in ihre Notwendigkeit.

Nur vier Prozent der Studierenden halten laut Umfrage Unternehmen für den optimalen Ort ihrer persönlichen Entwicklung. Gerade große Unternehmen haben bei den Frauen ein schlechtes Image.

Schlechtes Image

"Offensichtlich ist es den Firmen nicht gelungen, zu einem positiveren Image bei ihren potenziellen Arbeitnehmern beizutragen", erläutert Schutt. "Das ist sowohl für die Frauen als auch für die Unternehmen problematisch. Die einen vergeben wichtige Chancen, beruflich aufzusteigen und in entscheidenden Positionen auf die Gestaltung von Gesellschaft und Wirtschaft Einfluss zu gewinnen. Für die anderen gehen wertvolle, unternehmerisch orientierte Fach- und Führungskräftepotenziale verloren."

Nachdenklich stimmt vor diesem Hintergrund auch die mangelnde Mobilität des akademischen Nachwuchses. Mit rund 35 Prozent will mehr als ein Drittel der Hochschulabsolventen zukünftig in ihrer Heimatstadt arbeiten. In Österreich kann sich immerhin ein Viertel der Absolventen - ohne Unterschied zwischen Männern und Frauen - vorstellen, nach dem Studium im Ausland zu arbeiten.

"Kind oder Karriere"

Die Frage "Kind oder Karriere" ist zunächst kein Thema mehr. Die jungen Frauen und Männer der "Generation Kuschel" wollen beides. Gleichermaßen nehmen sie zugunsten ihres Privatlebens zunehmend weniger befriedigende Jobsituationen in Kauf.

Auch hier sieht Heidemarie Schutt nicht zuletzt die Wirtschaft in der Pflicht: "Die Unternehmen müssen verantwortliche Positionen so gestalten, dass auch sie Raum lassen für Kreativität und Lebensenergie. Unternehmen treten sowohl bei Frauen als auch bei Männern immer mehr in einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerb mit Familie und Privatleben."

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"Frauen im Profil" ist Teil der Accenture-Initiative "Great Place to Work for Women". Die Initiative wurde 1994 in den USA gestartet und kurze Zeit später weltweit eingeführt. Basis der Studie ist eine Onlinebefragung von 900 Frauen und Männern (52 Prozent) im Hauptstudium Ende 2003. 56 Prozent der Teilnehmer kommen aus Deutschland, je 22 Prozent aus Österreich und der Schweiz. Die Studie ist kostenlos erhältlich bei Accenture-Studie "Frauen im Profil" (DER STANDARD Printausgabe, 13./14.3.2004)

  • "Kind oder Karriere" ist für junge Akademikerinnen kein Thema mehr - Unternehmen müssen aber erst verantwortliche Positionen mit Raum für Kreativität und Lebensenergie schaffen, so ein Fazit der Studie "Frauen im Profil"
    foto: accenture

    "Kind oder Karriere" ist für junge Akademikerinnen kein Thema mehr - Unternehmen müssen aber erst verantwortliche Positionen mit Raum für Kreativität und Lebensenergie schaffen, so ein Fazit der Studie "Frauen im Profil"

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