Warren Buffett wettet gegen den Dollar

2. April 2004, 13:23
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Der Paradeinvestor wettet mit zwölf Milliarden gegen die US-Währung - Er fürchtet die Folgen des Defizits in der Leistungsbilanz

Wien – Der nach Bill Gates zweitreichste Mann der Welt hat mit seinen Warnungen schon oft Recht gehabt. Das hat ihm als Paradeinvestor den Beinamen "Orakel von Omaha" (nach dem Sitz seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway) eingebracht. Im Gegensatz zum immer als erratisch empfundenen "Orakel aus Washington", US-Notenbankchef Alan Greenspan, drückt sich Warren Buffett (73) aber immer deutlich aus.

Bogen um Tech-Aktien

In den 90er-Jahren machte er einen weiten Bogen um Tech-Aktien und ersparte sich so Riesenverluste. 2002 kaufte er Unternehmensanleihen mit schlechter Bonität um acht Mrd. Dollar, bevor diese Kategorie abhob. Anfang 2003 verkaufte er um 9,1 Mrd. US-Staatsanleihen, bevor die Kurse dieser Papiere in die Knie gingen.

Grundsätzlich hält er nichts von Hin und Her und nichts von Diversifikation. Er kauft Aktien, die er für unterbewertet hält, und hält sie lange. Zudem konzentriert er das Kapital auf wenige Aktien: Die Aktien von Coca-Cola kaufte er‑ um 1,3 Mrd. Dollar – sie sind heute über zehn Mrd. wert. Die letzte Umschichtung in Coca- Cola hat er 1994 vorgenommen. In zehn Aktien, darunter AmEx, Gillette, Wells Fargo und Moody's, sind 90 Prozent des Volumens veranlagt.

Spekulation

Jetzt wettet er erstmals gegen die US-Wirtschaft und begibt sich damit in das Gefilde der Währungsspekulation: Mit 6,6 Prozent des Anlagekapitals von insgesamt 180 Mrd. Dollar spekuliert er in fünf anderen Währungen gegen den Dollar. Und damit gegen US-Notenbankchef Alan Greenspan, der meint, es sei nur ein kleines Risiko, ausländische Investoren zwecks Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizits heranzuziehen.

Buffett erwartet, dass das steigende Leistungsbilanzdefizit der USA seinen Tribut von den Amerikanern fordern werde. Das Ausland werde mit Dollar überflutet, die Verschuldung der USA steige gleichzeitig. Wenn der Dollar aber (wie überwiegend erwartet) weiter abwertet, dann fahren ausländische Investoren mit US-Staatspapieren immer mehr Verluste ein. "Die Folgen könnten problematisch ausfallen." Konkreter äußerte er sich nicht. Aber offensichtlich stellt er sich vor, was passiert, wenn die Asiaten ihre milliardenschweren US-Staatsanleihen wegen anhaltender Verluste auf den Markt werfen. (Karin Bauer, DER STANDARD Printausgabe, 16.3.2004)

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    Das "Orakel von Omaha", Warren Buffett, ist der zweitreichste Mann der Welt

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