2003 weniger Tote auf der Straße

4. April 2004, 13:16
43 Postings

Mit 931 Opfern Rekordtief erreicht - Dafür deutlich mehr Kinder gestorben - Auch mehr Alkolenker - mit Infografik

Wien - Für den Verkehrsminister stand der gesamtstatistische Erfolg im Vordergrund: 931 Verkehrstote im Jahr 2003 - das sei "die niedrigste Zahl, die wir je hatten", lobte Hubert Gorbach bei der Vorstellung der Unfallstatistik des vergangenen Jahres. Bei Autobahnbaustellen - noch vor Jahren besonders unfallträchtig - sei 2003 kein einziger Fahrzeugbenutzer mehr ums Leben gekommen.

931 Opfer - so wenig Tote habe es auf Österreichs Straßen seit 1961 nicht gegeben, bestätigte Ewald Kutzenberger von der Statistik Austria. Um alsdann, wie der Minister auch, zu den weniger erfreulichen Seiten der Jahresbilanz über den ganz normalen Verkehrswahnsinn überzugehen.

Bei den Kinderunfällen mit letalem Ausgang nämlich hat es 2003 eine beachtliche Zunahme gegeben: 37 Kinder starben, im Jahr 2002 waren es 25 - das macht ein Plus von 48 Prozent. Noch dazu, so ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar, seien 20 dieser Kinder als Pkw-Beifahrer ums Leben gekommen.

Bei einem österreichweiten Kindersitztest habe man einen für den Nachwuchs "lebensgefährdenden Leichtsinn" der Erwachsenen feststellen müssen, schildert Hellar: Bei einem von vier Kindern am Beifahrersitz sei gleichzeitig der Beifahrer-Airbag aktiv gewesen. Auch habe man 21 Prozent der Kinder bei Kontrollen nicht richtig angeschnallt vorgefunden.

Zu viele Gurtenmuffel

Überhaupt, das Anschnallen: Hier gehören die Österreicher im EU-Vergleich zu den Verweigerern: Die Hälfte der getöteten Pkw-Lenker sei ohne Gurt unterwegs gewesen, betont der Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), Othmar Thann. Mit nur 76,6 Prozent Sicherheitsgurtanlegern befinde sich Österreich in der EU im untersten statistisches Segment.

Auch bei den Unfällen unter Alkoholeinfluss ist das der Fall, die 2003 insgesamt 4020 Verletzte forderten - und somit um 119 Verletzte mehr als im Jahr davor. Von den 84 Toten bei Fahrzeugcrashs mit Promillebeteiligung waren übrigens 57 selbst gar nicht alkoholisiert - eine Bilanz, die Innenminister Ernst Strasser mittels Einsatzes neuer Alkohol-"Vortestgeräte" verbessern möchte. Die neuen Apparate in Handygröße, die die Alkomaten ersetzen sollen, befinden sich derzeit aber noch in der Entwicklungsphase.

Motorradunfälle

Gleich um ein Viertel mehr Tote als im Jahr 2002 gab es 2003 indes bei Motorradunfällen. Opfer seien in vielen Fällen Biker über 45 Jahre, erläuterte KfV-Chef Thann: "Der ,125er-Führerschein', der es B-Führerscheinbesitzern mit längerer Fahr-Erfahrung ermöglicht, nach nur sechs Übungsstunden auf ein 125er-Bike umzusteigen, gehört neu diskutiert", meint er im STANDARD-Gespräch.

Die vielen Bikercrashs seien auch hauptverantwortlich an der Zunahme von Unfällen mit Toten in der Steiermark. Hier war ein Plus von 12,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu bilanzieren. Während - so Thann - im Burgenland mit eklatanten 40,5 Prozent Plus viele Mopedlenker unter den Opfern sind: oftmals 15-Jährige, die "mit einer Blankounterschrift" ihre Fahrerlaubnis - wie es das Gesetz möglich macht - ohne Persönlichkeitstest erhalten hätten.

Auch hier sei aufseiten der Entscheidungsträger dringend ein Umdenken nötig, sagt Thann - und mahnt überhaupt davor, sich auf den Lorbeeren des guten Gesamtergebnisses auszuruhen: Bei den Unfallzahlen nämlich liege Österreich EU-weit an schlechtester Stelle. Nach der EU-Erweiterung werde es an die vorletzte Stelle vorrücken - vor die Slowakei. (bri, Der Standard, Printausgabe, 16.03.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Seit der Erhebung der Zahlen im Jahr 1961 habe es mit 931 Opfern noch nie so wenige Tote auf Österreichs Straßen gegeben

Share if you care.