Journalistinnen stehen unter Scherben

22. April 2004, 19:30
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Sechster Journalistinnenkongress in Wien

Wien - "Glasscherben der gläsernen Decke", sah Maria Schaumayer anlässlich der Eröffnung des sechsten Journalistinnenkongresses Montag in Wien "herumliegen". Vom Ziel des Erreichens von 50 Prozent aller Positionen seien Frauen aber auch im Medienbereich weit entfernt.

Kompetente Frauen kommen etwa laut Studie im Vergleich zu Männern viel weniger vor, bleiben auf Bereiche wie Lifestyle, Gesundheit und Soziales beschränkt. Am Rande der von Schaumayer-Stiftung, Maria Rauch-Kallats Club alpha und Industriellenvereinigung organisierten Veranstaltung wurde Kritik am Programm laut: "Ideen gebe es genug, aber an der Umsetzung hapert's", klagte eine Teilnehmerin. "Frauen fördern Frauen" lautete das Motto der mittlerweile sechsten Auflage dieser Konferenz. Mitinitiatorin und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat brach bei der Eröffnung wieder eine Lanze für ihre Lieblingsthemen "Mentoring" und "Networking".

"Frauen müssen sich auf dem Weg nach oben helfen", so Rauch-Kallats Credo. Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), in deren Hauptquartier der Kongress stattfand, hoffte offensichtlich auf eine Art Konkurrenz der geschlechterspezifischen Seilschaften: Die Männer hätten schon lange ihre Clubs, "die Frauen bauen hoffentlich ihre Netzwerke aus."

Hilfe für die Basis

Maria Schaumayer, deren Stiftung ebenfalls maßgeblich am Journalistinnenkongress beteiligt ist, sah indes schon "ein paar Splitter der 'Gläsernen Decke' umherliegen". Ihre Diagnose: "An der Spitze sieht es mit Frauen schon sehr gut aus, der Mittelbau braucht Förderung, die Basis Hilfe."

ORF-Generaldirektorin Monika Lindner sah das ganz ähnlich. An der "Spitze" im ORF gebe es bereits - neben der Generaldirektorin selbst - eine Landesdirektorin, eine Radiochefin, drei weibliche Hauptabteilungsleiterinnen und weitere Frauen in Führungspositionen. Früher "männlich dominierte" Sendungen wie der "Report, "eco" oder das "Weltjournal" würden nun von Frauen präsentiert.

Im Mittelfeld bestehe allerdings noch Handlungsbedarf. Ebenso wie im Zentralbetriebsrat: Nur 26 Frauen stünden dort 73 Männern gegenüber. "Es wäre ganz wichtig, dass sich dieses Missverhältnis ändert", betonte Lindner. Dass Kinderbetreuung immer noch Frauensache sei, wurde von ihr als weiterer Karrierehemmschuh genannt. Sie verwies auf den Betriebskindergarten, der nun zu einem Hort ausgebaut werden könnte. (APA)/(dy, prie, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 16.3.2004)

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