Dich, teure Halle, grüß' ich wieder

24. März 2005, 11:52
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Hotelhallen im Test: Sie sind nicht nur die Visitenkarte jedes gastlichen Hauses, sondern werden mehr und mehr zu Orten der Begegnung

Susanne Mitterbauer, Reisejournalistin und als solche beruflicher Stammgast in internationalen Hotels, hat sich in einigen Entrees umgesehen.

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Diesen Test mit einer Hotelhalle zu beginnen, die es nicht mehr gibt, ist nicht unbedingt klassisch. Aber die Halle des Hotel Hilton, das derzeit umgebaut wird und über dessen kommendes Interieur man noch nichts Genaues weiß, war beispielgebend: ein großer, nicht allzu hoher Raum, gemütlich und einladend, möbliert mit weichen Fauteuils. Dazu die berühmte Klimt-Bar, die nicht nur Gäste des Hauses in ihren Bann zog. Sie war ein gesuchtes und diskretes Rendezvous-Platzerl.

Die Halle eines Hotels ist zugleich der erste Eindruck und daher ungemein wichtig. Generationen von Hoteliers und gut bezahlte Tourismusberater zerbrechen sich eingehend den Kopf, wie diese Gestaltung sein sollte.

Von groß und für jeden zugänglich ...

Eine große, für jeden zugängliche Lobby ist bei amerikanischen und arabischen Ketten üblich und notwendig. In diesen Riesenhäusern befinden sich ja nicht nur Aberhunderte Zimmer, sondern auch Konferenzräume, Bankettlokale, Ballsäle und Büros. In solchen Lobbys geht es zu wie auf einem Marktplatz, laut, quirlig und anonym. Hier kann der Gast jederzeit und unbeobachtet zu seinem Zimmer, was unwidersprochen auch seine Vorteile hat.

Das genaue Gegenteil sind kleine, übersichtliche Entrees, wo der Rezeptionist alles unter Kontrolle hat. Hier fühlen sich allerdings nur Menschen wohl, die hierher gehören oder über sehr viel Selbstbewusstsein verfügen. Alle anderen befällt leicht Schwellenangst.

... über Mischformen ...

Mischformen sind zahlreich und wohl am beliebtesten. In angenehmer Erinnerung bleiben Wärme spendende oder maßvoll gekühlte Räume mit guten Sitzgarnituren und einer Bar in erreichbarer Nähe: hübscher und vor allem geschützter als eine Bahnhofshalle, ideal für ein schnelles Treffen, für ein kurzes Verweilen zum Abkühlen oder Aufwärmen und ohne jeden Konsumationszwang.

Auch die Lobbys kühner Designhotels locken mit ihrer Funktion als Vorzeigehäuser avantgardistischer Architekten viele Neugierige und Lernwillige an: Schon die floralen Arrangements sind eine Trouvaille. Die Möblierung solcher Hallen ist ungewöhnlich - und ein Test, wie "zu Hause" man sich in einem puristischen Ambiente fühlen könnte.

... bis zu domartigen Lobbys arabischer Luxusherbergen

In eher unangenehmer Erinnerung bleiben hingegen Häuser, deren Entree wie ein Sammelsurium aus übrig gebliebenen Möbeln und vergilbten Erinnerungen an bessere Zeiten wirkt. Befremdlich auch die domartigen Lobbys arabischer Luxusherbergen: Die Tonnen schweren Kristallluster wirken bedrohlich, die weichen Pölster auf riesigen Couchen ersticken, das echt goldene Interieur erschreckt, und die paar Indoor-Wasserfälle und falschen Palmenhaine machen die Sache auch nicht einladender. Aber nur eines ist wirklich traurig: Auch in den elitärsten Grandhotels dieser Welt tragen die Pagen keine vergoldeten Tafeln mit dem Namen des gesuchten Gastes mehr durch die Halle und läuten dazu mit silbernen Glöckchen. Ein diskret gereichtes Handy erzielt wirklich nicht denselben Effekt.

Hotelhallen

Von Atemberaubenden über Diskrete bis Überirdisch

  • Artikelbild
    foto: hotel hillside su/antalya
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