Neuer Job, alte Wohnung

2. April 2004, 21:49
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Sozialprojekt macht Delogierungsgefährdete zu Hausbetreuern

"Unter diesen Leuten sind wirkliche High Potentials." Claudia Jäger vom WissenschaftsZentrumWien (WZW) spricht nicht über Abgänger von Elite-Unis, sondern über Langzeitarbeitslose und Delogierungsgefährdete, die bei dem Projekt "Wohnen und Arbeiten" wieder Arbeit gefunden haben.

Als Mitarbeiter für dieses Projekt sind gezielt Menschen ausgesucht worden, die durch Langzeitarbeitslosigkeit schon in Gefahr standen, ihr Dach über dem Kopf zu verlieren. Nun haben sie die Möglichkeit, als Hausbetreuer wieder Fuß zu fassen und ihr Leben wieder aufzubauen. Über Vermittlung der Volkshilfe Wien führen sie für Wiener Wohnen und die Buwog Hausbetreuungs- und Reinigungsarbeiten durch. Sie wohnen allerdings nicht im betreuten Haus.

"Wohnen mit Service"

Für die derzeit 19 Beschäftigten bleibt es jedoch nicht bei der Schneeräumung oder den Reinigungsarbeiten. In der Wienerberg-City und in zwei Gemeindebauten im zehnten Bezirk (Puchsbaumgasse und Mundygasse) wird seit August 2003 auch "Wohnen mit Service" geboten: Haushaltsnahe Dienstleistungen, die natürlich extra bezahlt werden müssen, sollen den Mietern den Alltag erleichtern. Von Wohnungsputz, Wäscheservice, Haustierbetreuung und kleineren Reparaturen in den Wohnungen geht die Palette der Angebote bis zur Betreuung der Wohnung im Urlaub - etwa das Gießen der Pflanzen. Am beliebtesten sei die Übersiedelungshilfe: "Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Ikea-Kästen unsere Mitar- beiter schon zusammengeschraubt haben . . .", berichtet Jäger aus dem gelebten Alltag umfassender Hausbetreuung.

Konfliktschlichter

Darüber hinaus bietet ein Pilotprojekt eine Ausbildung zum "Objektbetreuer" an: Hierbei soll neben technischen Fertigkeiten und organisatorischem Know-how auch die soziale Kompetenz der Mitarbeiter geschult werden. "Wir versuchen die Lücke, die die Hausmeister hinterlassen, zu füllen und eine wertvolle Dienstleistung zu einem leistbaren Preis anzubieten", berichtet Jäger weiter, und "die Objektbetreuer sollen auch Konflikte zwischen Parteien abfangen." Auf die Frage, ob diese Ziele nicht sehr hoch gesteckt sind, sagt sie: "Wir sind in einem Projekt und dürfen uns was wünschen - der Markt wird das schon regulieren."

Sie sieht aber gute Chancen, dass sich dieses Projekt in Zukunft etablieren wird, denn "Ansprechpartner vor Ort heben auch die Wohnqualität und verhindern die Absiedelung."

EU-Gelder

An dem Projekt, das auch im Rahmen des Arbeitslosenprogramms Equal mit EU-Geldern gesponsert wird, sind 18 verschiedene Organisationen beteiligt, wodurch sich ein vielfacher Nutzen ergibt: Für die (ehemals) Delogierungsgefährdeten bedeutet dies die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt und Schulungsprogramme. Für die Mieter wird ein Service angeboten, der weit über die Arbeit von anonymen Putztrupps hinausgeht. Und aus dem ganzen Prozess werden wissenschaftliche Erkenntnisse gezogen, die in Zukunft für ähnliche Projekte nützlich sein können. Über dem Ganzen steht die Entwicklung eines neuen Berufsbildes, das sich vielleicht als guter Ersatz für die Hausbesorger etablieren wird. (lev, DER STANDA%D Printausgabe 12.3.2004)

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