Katar kauft sich ein Nationalteam

9. April 2004, 21:33
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Junge Brasilianer werden arabisch

Katar/München - Die Geschichte ist wüst. Nicht nur, weil sie zu einem guten Teil in Katar spielt. Der dortige Staatschef ist ein Fußballaficionado, dummerweise hat sein Volk noch keine nennenswerten Ballesterer herausgebracht, weswegen der Staatschef nun ein paar junge Brasilianer frug: "Darf ich Ihnen mein Haus zeigen?", und die erwiderten erstaunlicherweise: "Warum nicht?" Was selbst den ansonsten so geruhsamen Karl-Heinz Rummenigge zu sagen ermunterte: "Solche Legionäre wie Dede oder Ailton, die sich ins nächste Flugzeug setzen und sich ihren Scheck beim Scheich abholen, brauchen wir nicht."

Dortmunds Dede und Bremens Ailton werden demnächst katarische Staatsbürger und in der Folge in die Nationalmannschaft inkorporiert. Das kleine arabische Land steht mit dieser bemerkenswerten Aktion freilich nicht allein da. In Togo sorgte der brasilianische Nationaltrainer dafür, dass gleich 13 Kicker aus dem Land des fünfmaligen Weltmeisters einen Pass des afrikanischen Landes erhielten.

Die FIFA ist ob solcher Vorgänge not amused. Sprecher Andreas Herren ist sogar fast verstimmt: "Wir bei der FIFA versuchen unser Bestes, um durch unsere Statuten Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Aber wie ein Land mit seinem Staatsbürgerrecht umgeht, darauf haben wir keinen Einfluss. Der Fall macht uns nicht froh."

Der Nichtfrohsinn hat freilich eine hausgemachte Basis. Die FIFA hat die entsprechenden Bestimmungen mit 1. Jänner gelockert. Spieler, die unter 21 Jahren alt sind und noch nicht in A-Mannschaften eingesetzt wurden, dürfen für eine zweite Nation spielen, falls sie im Besitz beider Pässe sind. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 12. März 2004, ag, wei)

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