Und jetzt kommt unser Liebling!

20. April 2004, 20:57
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Dass der Geschäftsführer der "Wiener Zeitung"" zufällig auch das Fähnlein der burgenländischen Benita-Fans anführt ...

Dass der Geschäftsführer der "Wiener Zeitung" zufällig auch das Fähnlein der burgenländischen Benita-Fans anführt, hat sicher keine Auswirkungen auf die Berichterstattung des Staatsorgans. Es konnte sich daher nur um eine private Initiative handeln, als neulich ein Kulturredakteur des Blattes eine Schriftstellerin schurigelte, die die Frechheit hatte, sich als Marionette in Frau Ferrero-Waldners Wahlkampf zu verweigern.

Wie berichtet, hat die Stadt Baden einen Kulturpreis verliehen, unter anderem an Marlene Streeruwitz und den Musikwissenschafter Otto Brusatti. Ohne dass die Preisträger davon vorher informiert wurden, sollte dabei als Rednerin die ÖVP-Kandidatin auftreten, worauf die beiden, sich missbraucht fühlend, absagten. Da kamen sie bei einem Edwin Baumgartner, der schon als getreuer Ekkehard des Kunststaatssekretärs peinlich aufgefallen ist, schön an. Das heißt: Nicht sie, sondern nur sie. Denn Baumgartners Wut über den verlorenen Auftritt Benitas ergoss sich ausschließlich über Frau Streeruwitz, vor Otto Brusatti versagte der Mannesmut des Moralisten. Ihn erwähnte er kein einziges Mal namentlich.

Manche benützen die Preiszuerkennung für ein politisches Statement, indem sie sich zum Märtyrer machen. Kurz: Sie lehnen den Preis ab, weil er nicht den richtigen Namen hat. Oder, weil ihnen die überreichende Person nicht passt. Das teilen sie der Öffentlichkeit natürlich brühwarm in massenweisen Presseaussendungen mit. Und schon wird aus dem tugendhaften Verzicht aus Gewissensgründen eine für unkritische Geister recht wirksame Selbstinszenierung.

Was der kritische Geist der "Wiener Zeitung" natürlich sofort durchschaut. Warum die Information der Öffentlichkeit aus einem tugendhaften Verzicht eine recht wirksame Selbstinszenierung machen soll, erklärt er zwar nicht, aber sein Geschäftsführer wird es schon verstehen. Als ob das etwas mit einer echten Protesthaltung zu tun hätte! Gegen einen echten Protest hätte er ja nichts, will er damit großzügig zu verstehen geben, aber was eine echte Protesthaltung ist, entscheidet schon er. Michael Moore trug sie für ihn vor. Er nahm den Preis an - und benützte die Gelegenheit, dem US-Präsidenten via Fernsehen "Schande über Sie, Mr. Bush" ins Gesicht zu schleudern. Aber die Courage eines Michael Moore hat nicht jeder.

Auch Marlene Streeruwitz hat sie nicht. Sie nimmt den Kulturpreis der Stadt Baden nicht an, weil er ihr von Benita Ferrero-Waldner überreicht würde. Statt die Gelegenheit für ein Statement zu benützen, lässt Marlene Streeruwitz bloß verlauten, sie wolle nicht Instrument einer ÖVP-Wahlveranstaltung sein. Eigentlich schade. Man hätte doch gar zu gern gelesen, wie Marlene Streeruwitz der Außenministerin "Schande über Sie, Frau Ferrero-Waldner" ins Gesicht schleudert, und wie ihr ein Herr Baumgartner daraufhin rasend begeistert eine echte Protesthaltung und die Courage eines Michael Moore bescheinigt.

Nicht Instrument einer ÖVP-Wahlveranstaltung sein zu wollen, ist für ihn hingegen nur das Ergebnis einer totalen Selbstüberschätzung: Als ob sie mit der Preis-Ablehnung einen einzigen Ferrero-Waldner-Sympathisanten auf die Seite von Heinz Fischer brächte! Fragt sich nur, woher Baumgartner wissen will, das könnte Frau Streeruwitz' Absicht gewesen sein. Aber auf eine solche Unterstellung kommt es bei einem auch nicht mehr an, dessen kulturpolitischer Eifer insofern das Ergebnis einer totalen Selbstüberschätzung ist, als er politische Anschleimerei nicht verdecken kann.

Aber auch den professionellen Managern Benitas ist nichts zu peinlich. Aufgeregt berichtete kürzlich die bunte Sonntags-"Krone": Benita besuchte ihre Nachbarin Marika Rökk! Weltstar Marika Rökk und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner trafen einander am Valentinstag in der Badener Villa des einstigen Revuestars auf ein anständiges Tratscherl, wie das unter langen, guten Nachbarn nun einmal so usus ist. In der "Krone" schienen die beiden einander geradezu intim zu kennen. Marika Rökk strahlt mit ihrem unverkennbaren ungarischen Akzent: "So schön, so elegant - jetzt kommt unser Liebling! Ich freue mich immer so, wenn ich Sie sehe."

Aber Kurt Falks "Ganzer Woche" ließ das anständige Tratscherl, bei dem unanständigerweise zufällig die Konkurrenz dabei war, keine Ruhe - man beschloss, das Herz aus Paprika direkt abzuhorchen. Marika Rökk: "Ich wohne seit beinahe vierzig Jahren hier. Frau Ferrero-Waldner kenne ich nur vom Fernsehen. Sie hat mich zuvor noch nie besucht. Der Besuch kam zustande, weil mich der Herr Bürgermeister - ein ÖVP-Landtagsabgeordneter - angerufen hat und mitteilte, daß er furchtbar gerne mit ihr zu mir kommen möchte." Ob sie nicht Werbung für Ferrero-Waldner machen wollte? "Nein!" kam Marika Rökks Antwort.

Wenn das der Baumgartner erfährt, ist sie erledigt. (DER STANDARD; Printausgabe, 12.3.2004)

Von Günter Traxler
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