Kreatives Kochen

13. Juli 2004, 14:28
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Man nehme die getrennt agierenden staatlichen Fördertöpfe , schütte deren Inhalte in einen riesigen Topf zusammen und rühre alles durcheinander - von Luise Ungerboeck

Das Rezept klingt schmackhaft. Man nehme die bis dato getrennt agierenden staatlichen Fördertöpfe Bürgesbank, Innovationsagentur, Finanzierungsgarantiegesellschaft (FGG) und ERP-Fonds, schütte deren Inhalte in einen riesigen Topf zusammen und rühre alles kräftig durcheinander. Das Ganze dann ein gutes Jahr rasten lassen, und fertig ist ein exklusives Spitzengericht, das die heimische Betriebsförderung in ein Haubenlokal verwandelt, in dem zwar Milch und Honig fließen, aber nur trockenes Brot zu zahlen ist.

Irgendeine wichtige Zutat, vermutlich sogar mehrere, müssen die Spitzenköche Martin Bartenstein und Karl-Heinz Grasser bei ihrer Kochanleitung allerdings vergessen haben. Denn das kurz AWS genannte Menü "Austria Wirtschaftsservice" schmeckt wie Fastfood - wenig bekömmlich, schwer verdaulich und gar nicht billig.

Nun ist nicht anzunehmen, dass weder der Wirtschafts- noch der Finanzminister richtig rechnen können. Auch dass die beiden billig einkaufen und daher die heimische Wirtschaftsförderung bündeln und in einen One-Stop-Shop verwandeln wollten, spricht an sich für ein den Interessen der Steuerzahler verpflichtetes Vorgehen.

Blöderweise haben die beiden Chefköche nicht bedacht, dass Unternehmensfusionen in der ersten Phase ihres Wirkens immer deutlich teurer sind und meist auch noch schlechteren Service bieten. Mit den angekündigten Einsparungen von zwanzig Prozent ist es vorderhand also Essig, zumal auch noch Altlasten in Millionenhöhe schlagend werden. Dass die teils gegen den Willen der Akteure durchgeführte Zusammenlegung auch noch stümperhaft durchgeführt wurde, ist nur das Sahnehäubchen auf der versalzenen AWS-Suppe. (Der Standard, Printausgabe, 11.03.2004)

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