Terrorwelle in Spanien: 186 Tote

17. Dezember 2004, 17:16
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10 Bombenexplosionen in mehreren Madrider Bahnhöfen - 1000 Verletzte - Drei Bomben entschärft

Madrid/Straßburg - Bei der verheerendsten Anschlagsserie in der jüngeren Geschichte Spaniens sind drei Tage vor der Parlamentswahl laut jüngsten Angaben 186 Menschen getötet worden. 1000 weitere wurden verletzt, davon Dutzende schwer, wie das Innenministerium am Donnerstag mitteilte. Insgesamt ereigneten sich 10 Detonationen an vier verschiedenen Orten. Sieben Sprengsätze detonierten, als ein Pendlerzug in den Bahnhof Atocha einfuhr. An zwei weiteren Haltestellen entlang der Gleisstrecke zu dem Bahnhof explodierten ebenfalls Bomben. Drei Spengsätze wurden von der Polizei entschärft.

Chaotische Zustände in Madrid

Neben dem Madrider Hauptbahnhof Atocha waren die beiden Bahnhöfe El Pozo und Santa Eugenia im Süden der Stadt betroffen.

Am Hauptbahnhof bot sich ein Bild des Schreckens: Die Polizei räumte das gesamte Gelände, das bis in die letzten Ecken blutverspitzt war. Azucena Sanchez, die zum Reinigungstrupp des Bahnhofs gehört, sagte, sie habe innerhalb weniger Minuten drei Explosionen gehört. Danach sei bei allen die blanke Verzweiflung ausgebrochen. Neben Polizisten und Rettungskräften kümmerten sich auch Straßenkehrer und Mitreisende um die verstörten Menschen, die blutüberströmt aus den Zügen wankten.

"Wie im Krieg"

"Es gibt alle Arten von Verletzungen, viele im Gesicht, abgerissene Glieder, gebrochene Knochen", sagte der Rettungsfahrer Enrique Sanchez, der unter den ersten am Bahnhof war. "Es ist nicht zu glauben, wie ohnmächtig man sich fühlt, weil wir nicht alle behandeln können." Die Anwältin Carmen Perez verglich die Lage mit einem Kriegsgebiet. "Es ist so grausam, man kann es gar nicht in Worte fassen. Es herrscht absolutes Chaos, es ist schrecklich", sagte sie unter Tränen.

Feldspital eingerichtet

Der Zugverkehr brach weitgehend zusammen. Hunderte Verletzte mussten in Taxis in die Krankenhäuser gebracht werden, weil die Krankenwagen voll ausgelastet waren. Im Stadtteil Retiro wurde ein Feldspital eingerichtet, die Bewohner der Vier-Millionen-Stadt wurden zu Blutspenden aufgerufen. Dutzende bei den Anschlägen verletzte Menschen schwebten noch in Lebensgefahr.

Es war der schwerste Anschlag in Europa seit dem Lockerbie-Attentat von 1988, bei dem 270 Menschen umkamen. Spanien ordnete eine dreitägige Staatstrauer an und die konservative Regierungspartei setzte ihren Wahlkampf aus. Frankreich verschärfte seine Grenzkontrollen. (red/APA/AP/dpa/Reuters)

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    Ein Feuerwehrmann berichtete, zwei Waggons seien durch die Explosionen vollkommen zerfetzt worden.

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