Heinzelmännchen erleichtern den Wohnalltag

Redaktion
11. März 2004, 10:30
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    foto: sustainable home services

"Sustainable Homeservices": Wenn die täglichen Haushaltsmühen anderen überlassen werden

Wenn man am Morgen die Wohnung verlässt, bringt man die Wäsche ins hauseigene Reinigungszentrum und holt sie am Abend getrocknet und gebügelt wieder ab. Einstweilen haben die Mitarbeiter in der Wohnung sauber gemacht und die Fenster geputzt. Der Conciergedienst in der Eingangshalle des Wohnhauses hat die bestellten Lebensmittel übernommen, kühl aufbewahrt und außerdem für den Abend einen Babysitter organisiert.

Abends steigt man dann in das in der Garage bereit stehende Carsharing-Auto und fährt ins Theater, wofür ebenfalls die Karten von der Hausbetreuung organisiert wurden. Schließlich erhält man am Monatsende von der Hausverwaltung neben der Mietvorschreibung eine Rechnung über die in Anspruch genommenen Dienstleistungen und bezahlt je nach Leistungsumfang.

Leistungsangebote

Diese Vorstellung ist kein Wunschtraum, sondern wird von manchen Wohnungsgesellschaften und Hausverwaltungen zumindest ansatzweise bereits umgesetzt. Hinter dem Schlagwort Homeservices verbirgt sich das Bereitstellen von Dienstleistungen, die unmittelbar mit dem Wohnen zu tun haben, bevorzugt durch die Wohnungswirtschaft selbst oder in Kooperation mit externen Dienstleistern.

Die Palette der angebotenen Dienstleistungen reicht von Beratung & Information zu wohnungs- und wohnumfeldrelevanten Fragen, Pflege & Beaufsichtigung, wie z. B. Krankenpflege oder Kinderbetreuung zu Hause über Freizeitaktivitäten, Reparaturangebote hin zu Mobilität & Zustelldiensten, Sicherheitsleistungen und schließlich Ver- & Entsorgung.

Man kann davon ausgehen, dass durch das Ersetzen von Produkten durch Dienstleistungen die Umwelt entlastet sowie neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Sustainable Homeservices erzielen somit in ihrem Nachhaltigkeitsprofil in den drei Dimensionen Umwelt, Soziales und Wirtschaft positive Bewertungen. Die Optimierungspotenziale können klar formuliert werden:

• Umwelt – Kann die Dienstleistungen zur Verringerung von Rohstoff- und Energieverbrauch sowie Abfallaufkommen beitragen?

• Soziales – Kann durch die Dienstleistungen das Wohlbefinden der Bewohner gesteigert werden?

• Wirtschaft – Wie kann die Dienstleistung gestaltet werden, so dass sie für den Anbieter, den Bewohner und die Gesellschaft wirtschaftlich sind?

"City of Tomorrow"

Unter der Leitung des Institutes für ökologische Wirtschaftsforschung in Wien wird eine von der Europäischen Kommission im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "City of Tomorrow" geförderte Studie zum Thema Sustainable Homeservices in sechs europäischen Ländern durchgeführt. Daran beteiligt sind neben Österreich, auch Projektpartner in Deutschland, den Niederlanden, Finnland, Spanien und Portugal.

In jedem Land werden die Angebotssituation und Entwicklungspotenziale für Homeservices sowohl in einer Metropole als auch in einer Kleinstadt untersucht. Ziel des Projekts ist es, die Einführung von nachhaltigen Dienstleistungen in Europa zu stimulieren. Firmen und Wohnungsunternehmen sollen angeregt werden, ihren Bewohnern Homeservices anbieten und damit der steigenden Konkurrenz in der Wohnungswirtschaft begegnen.

So sieht die Realität aus

Es zeigt sich, dass es auch in Österreich einen beginnenden Trend zur Dienstleistungsorientierung der Gesellschaft gibt. Diese Faktum und die Tatsache, dass durch die Aufhebung des Hausbesorgergesetzes im Moment nicht nur Handlungsbedarf sondern auch Spielraum dafür von Seiten der Wohnungswirtschaft besteht, fördern die Einführung innovativer Konzepte.

In der Wohnungswirtschaft selbst gibt es eine klare Zweiteilung. Einerseits entwickeln sich sehr innovative Unternehmen von einem reinen Wohnraumbereiter hin zu einem Dienstleistungsunternehmen. Diese Firmen errichten Gebäude, in denen sie durch bauliche Maßnahmen die Erbringung von Dienstleistungen, auch auf nachbarschaftlicher Basis begünstigen, bzw. bieten sie selbst ihren Bewohner bestimmte Leistungen an.

Demgegenüber steht eine große Gruppe vor allem von Hausverwaltungen, die, wenn sie Altbauten verwalten, oft nur einen geringen Handlungsspielraum haben und nur Leistungen erbringen, die ihnen von Gesetz her vorgeschrieben sind. Allerdings gibt es auch darunter aufgeschlossene Unternehmen, die sich als Vermittler verstehen und ihren Bewohner durch Informationsweitergabe die Inanspruchnahme von Homeservices ermöglichen.

Schwerpunktsetzungen

Aus der Vielfalt der Homeservices lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte für die Wohnungswirtschaft und für externe Dienstleister feststellen. Interessant für Wohnungsunternehmen sind einerseits bauliche Maßnahmen, beginnend von Stellplätzen für Carsharing-Fahrzeuge, über getrennte Fahrrad- und Kinderwagenräume hin zu Freizeiteinrichtungen wie Fitnessraum, Sauna oder Swimmingpool.

Andererseits gewinnt vor allem die Installierung von Dienstleistungszentren immer mehr an Bedeutung, in denen teilweise die Tätigkeiten des frühren Hausbesorgers ersetzen werden und gleichzeitig ein Anlaufstelle bei der Vermittlung von externen Dienstleistern vorhanden ist.

Das Angebot an Homeservices von externen Dienstleistern ist vielfältig. Tendenziell lässt sich erkennen, dass vor allem personalintensive Leistungen im Bereich Betreuung oder Information von gemeinnützigen Institutionen erbracht werden, während bei Mobilitäts- sowie Ver- und Entsorgungsleistungen kommerziellen Anbieter überwiegen. Bisher besteht nur in wenigen Fällen eine direkte Kooperation zwischen Wohnungsunternehmen und externen Dienstleistern. Dazu zählen zum Beispiel Carsharing-Unternehmen, aber auch Organisationen im Dienste der Delogierungsprävention.

Unterschiedliche Ansprüche

Aus Sicht der Bewohner lassen sich drei deutliche Trends ablesen. Einem Großteil vor allem der älteren Bevölkerung mangelt es an Dienstleistungsmentalität. Hier überwiegt der Wille zum "Selbermachen". Bei Familien mit Kindern besteht ein großes Interesse an verschiedenen vor allem Betreuungs- oder Freizeitdienstleistungen, allerdings bremsen hier die damit verbundenen Kosten oftmals die Möglichkeiten der Inanspruchnahme.

Demgegenüber steht eine Gruppe von Konsumenten, die seit jeher bestimmte Dienstleistungen in ihrem Wohnhaus nachfragen, und daran so gewöhnt sind, dass sie diese als selbstverständlich erachten. Auch die zunehmende Zahl von Singlehaushalten sowie die erhöhte berufsbedingte Mobilität sind weitere Faktoren, die eine Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen fördern. Die spärlich verbleibende Freizeit soll nicht mit Haushaltsarbeit vergeudet werden, weshalb diese Leistungen gerne zugekauft werden.

Unterschiede zwischen Klein- und Großstadt

Der Vergleich zwischen Groß- und Kleinstadt verdeutlicht, dass vor allem die Gebäudestruktur die Form des Dienstleistungsangebotes beeinflusst. Dort, wo auch in Kleinstädten Ein- oder Zweifamilienhäuser überwiegen, werden viele Dienstleistungen, die in Ballungsgebieten professionell angeboten werden, informell als Nachbarschaftshilfe erbracht. Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist dieses Faktum durchaus positiv zu sehen, weil es das soziale Klima zumeist deutlich aufwertet.

Gleichzeitig lässt sich aber feststellen, dass das Angebotsvielfalt zwischen Grund- und Kleinstadt kaum variiert, die Zahl der Anbieter jedoch im ländlichen Raum geringer ist. Auffällig ist auch, dass in Wien die Dienstleistung zumeist das Kerngeschäft des Anbieters ist, während in Kleinstädten viele Dienstleistungen oftmals zur Kundenbindung zusätzlich erbracht werden.

Wer kann von dem Projekt profitieren?

Auf Grund der Nähe zum Bewohner sind die Wohnungsunternehmen zusammen mit den Dienstleistungsanbietern die Hauptzielgruppe des Projektes. Es kann davon ausgegangen werden, dass es einen Markt für Homeservices gibt, und die Akteure bei der Suche nach den attraktivsten Marktnischen aus den Resultaten der Studie Nutzen ziehen können. Bereits jetzt besteht besonders von Seiten der Wohnungswirtschaft Interesse an den Resultaten der übrigen beteiligten Länder, um erfolgreiche Angebote potenziell zu übernehmen.

Zusätzlich werden für Entscheidungsträger auf nationaler wie internationaler Ebene Handlungsoptionen bereitgestellt, die eine Änderung der gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hin zu einer verstärkten Dienstleistungsorientierung ermöglichen sollen.

Zur Autorin
Die Autorin Dr. Gabriele Hrauda ist freie Mitarbeiterin des IÖW Wien und hat die wissenschaftliche Leitung des Projektes "Sustainable Homeservices" inne.

Die gesamte Projekt­dokumentation, best-practice-­Beispiele aus der Wohnungswirtschaft und dem Dienstleistungs­angebot finden Sie auf www.sustainable- homeservices.com
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5 Postings
Positivdenker vor den Vorhang

Ich denke wie "Mr Tompkins", dass der Satz an die Pensionisten eine unglaubliche Frechheit ist, nebst der vielgerühmten Selbermachenmentalität, die dieses Land aufbaute (uuupsi), fehlt es auch oft an den finanziellen Mitteln, solche Leistung zu bezahlen.
Die übrigen Komponenten erscheinen höchst fragwürdig: zB die soziale beim Empfangen der Lebensmittel: 3min Interaktion rettet jeden Tag, und auch für die Umwelt ist das so eine Sache. Bleibt letzlich die Wirtschaft und oh, ah schon jetzt besteht seitens der Wohnungswirtschaft Interesse um Abzukupfern was andernorts bereits Geld bringt.

Meine Lebensqualität wäre erheblich gesteigert, wenn keine Bleileitungen mehr mein Wassernetz verseuchen würden. Ein Concierge hilft da auch nicht...

Wappen hea

Sollten sie unser Wiener Hochquellwasser beziehen, mit gut 10 Grad deutscher Härte, würde ich mir um die Bleileitungen keine übermässigen Sorgen machen.
Wie Sie sogar der Fernsehwerbung entnehmen können, bildet sich an der Bleirohrinnenseite sehr bald eine Kalk ( schutz ) schicht. Kein Zweifel dass ich bei einer Neuinstallierung Blei vermeiden möchte. Wenn Sie allerdings sehr weiches Trinkwasser haben ist die Situation neu zu überdenken. mfg Dr.chem. Kamlander@aon.at

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