"Szép napok/Schöne Tage": Übermut und eine gewisse Ungelenkheit

15. Juli 2004, 10:57
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"Szép napok/Schöne Tage" von Kornél Mundruczó im Wiener Stadtkino

Wien - Es ist Sommer. Der Himmel ist strahlend blau, und die jugendlichen Protagonisten in Kornél Mundruczós Schöne Tage (Szép napok) vertreiben sich die freie Zeit mit Tauchgängen im Schwimmbad oder beim Frisbeespielen. Aber der Sommer wirkt ein wenig unterkühlt, so wie wenn sich der Herbstbeginn ankündigt. Man kommt nicht mehr so leicht ins Schwitzen.

Diese Grundstimmung passt zu dem lakonischen Gestus, mit dem der junge ungarische Regisseur, frei nach Gerhard Hauptmann und Albert Camus, sein kleines Drama ausbreitet. Gleich zu Beginn begleitet das Dröhnen gleichförmig vor sich hin trudelnder Wäschereimaschinen das Geschehen: Ein Neugeborenes wechselt für 3000 Euro gewissermaßen die Mutter.

Maya (Orsi Tóth) will es nicht behalten, Márika (Kata Wéber) kann selber keines kriegen. Márikas Bruder Péter (Tamás Polgár), eben aus der Jugendhaft entlassen, beobachtet die Szene heimlich. Sein Interesse an Maya ist also bereits geweckt, als er kurz darauf feststellen muss, dass sie die Geliebte des Autohändlers Janos (Lajos Ottó Horváth) ist, für den er wieder zu arbeiten beginnt, während er auf seinen Reisepass wartet, und der als Ersatzvater und Sugardaddy als einziger Erwachsener über die Seinen wacht.

Mit wenigen, weit gehend statischen Szenen hat der Film damit bereits ein Gefüge von Abhängigkeitsverhältnissen entworfen, die sich im weiteren Verlauf zuspitzen. Daneben erzählt Mundruczó in seinem Spielfilmdebüt jedoch auch von jugendlichem Übermut und einer gewissen Ungelenkheit, die allenfalls noch etwas von dem ausdrücken, was keiner ausspricht. Die dabei allerdings auch ins Offene weisen, eindeutige pessimistische Zuschreibungen verhindern und die Figuren in ihrer sturen Körperlichkeit immer ein Stück weit aus der Erzählung herauslösen.

Kleine Liebesbezeugungen gehen in Szép napok häufig mit eigentümlichen Reinigungsritualen einher: Márika, die ihrem Bruder in einer zum Waschtrog umfunktionierten Maschine die Haare wäscht oder ihm wie einem kleinen Kind die Fußnägel schneidet, Péter, der in Mayas Wohnung heimlich das Badezimmer putzt. Aber die Handgriffe und Gesten gehen unvermittelt in Handgreiflichkeiten über. Die Wechsel zwischen Balgen und Sichprügeln, einvernehmlichem Sex und einer Vergewaltigung sind abrupt. Das erzeugt weniger Dramatik als eine fatale Dynamik, die sich die Körper schließlich unterwirft. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2004)

Von
Isabella Reicher

OmU im Stadtkino
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    foto: stadtkino
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