Jobsicherheit als Priorität

18. Februar 2005, 14:33
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Die beruflichen Erwartungen von Jobeinsteigern hat eine Studie der Boston Consulting Group untersucht: Der Führungsnachwuchs bewertet die berufliche Sicherheit deutlich höher als noch vor zwei Jahren

"Während vor drei Jahren noch Themen wie die Höhe des Gehalts und die Ausstattung des Dienstautos in vielen Unternehmen das Einstellungsgespräch dominierten, werden heute zunehmend die Arbeitszeit, Work-Life-Ba- lance und Auszeiten von Berufseinsteigern angesprochen", erklärt Hannes Pichler, Wiener Projektleiter und Recruiting-Director des Beratungsunternehmens The Boston Consulting Group (BCG).

Auch die berufliche Sicherheit bewerten überdurchschnittliche Hochschulabsolventen deutlich höher als noch vor zwei Jahren. Was Sicherheit im Einzelfall bedeutet - daran scheiden sich allerdings die Geister: Rund die Hälfte der befragten High Potentials sucht feste Strukturen, Stabilität und Absicherung - also statische Sicherheit.

Sicherheit, dynamisch

Ein Drittel hingegen versteht Sicherheit dynamisch: Sicher ist, was man selbst steuern, kontrollieren und durchschauen kann. Die übrigen rund 15 Prozent suchen im Beruf nach einem Mittelweg zwischen statischer und dynamischer Sicherheit.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle BCG-Studie über die beruflichen Erwartungen von Absolventen kurz vor ihrem Berufseinstieg. Befragt wurden 50 Topstudenten aller Fachrichtungen.

Noch im Jahr 2001 erwarteten 1100 Uni-Absolventen, die an der themengleichen Untersuchung teilnahmen, einen anspruchsvollen Job, Möglichkeiten zur Entfaltung und ein erfülltes Privatleben. Gründe für die Neuorientierung der so genannten "Überraschungsei-Generation" (die heutigen Berufseinsteiger) sieht Hannes Pichler einerseits in der wachsenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Unsicherheit und andererseits in einem Wandel der persönlichen Einstellung.

Sicherheitstypen

Der in der Untersuchung, als statisch identifizierte Sicherheitstyp wünscht sich beispielsweise ausreichend Freizeit, gewisse Arbeitsplatzsicherheit, eine vorbestimmte Karriere und kein Mobbing im Team. Beim Bewerbungsgespräch interessiert ihn/sie das Fixgehalt, Eltern-Zeiten und klar vorgegebene Karriere- stufen.

Der Dynamische hingegen hat ein anderes Lebenskonzept, wünscht sich finanzielle Unabhängigkeit sowie Incentives und legt besonderen Wert auf Fehlertoleranz und Fairness im Team. Den Personalchef fragt er/sie nach flexibler Zeiteinteilung, Auslandsaufenthalten, variablen Gehaltsanteilen, Entwicklungsoptionen und Feedback-Systemen.

Antonella Mei-Pochtler, Geschäftsführerin von BCG in Wien, erinnert sich: "Für mich waren die Qualität der Menschen, die Internationalität des Unternehmens und die Herausforderung immer neuer Fragestellungen die entscheidenden Kriterien für die Wahl meines Arbeitgebers."

Positionierung

Egal zu welchem Sicherheitstyp die befragten Absolventen der Studie zählten, mit ihrem Bedürfnis nach Sicherheit hatten sie alle zu ringen, da immer auch "Beamtentum" und "fehlender Drive" mitschwingen.

Hannes Pichler ermutigt: "Bewerber müssen sich einfach mehr trauen, nach diesem Thema zu fragen. Die Legitimität liegt auf der Hand - die eigene Typ-Identifizierung ist das Um und Auf, da Absolventen sonst Gefahr laufen, sich schlicht für den falschen Job zu bewerben", erklärt Pichler. Passend sei eine Position, wenn die Unternehmensphilosophie und Bewerber-Erwartungen harmonieren. Das genaue Abfragen des Arbeitsumfeldes dürfe natürlich nicht als Forderungskatalog verstanden werden - Diplomatie und verbales Geschick sei gefragt.

Auf Unternehmensseite würden sich Firmen ohnedies positionieren müssen, um an hoch qualifizierte und talentierte Job-Bewerber zu kommen.

Daher rät Hannes Pichler: "Arbeitgeber, die Topmitarbeiter beschäftigen wollen, sollten auf Fragen offen antworten und auf die genannten Sicherheitsbedürfnisse von Topabsolventen reagieren." (Silvia Stefan, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.3.2004)

  • Noch im Jahr 2001 erwarteten Topabsolventen einen anspruchsvollen Job, Möglichkeiten zur Entfaltung und ein erfülltes Privatleben - Heutzutage sehnt sich die "Überraschungsei- Generation" nach Stabilität
    foto: bcg

    Noch im Jahr 2001 erwarteten Topabsolventen einen anspruchsvollen Job, Möglichkeiten zur Entfaltung und ein erfülltes Privatleben - Heutzutage sehnt sich die "Überraschungsei- Generation" nach Stabilität

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