Elisabeth Scheucher misslang der Griff nach den Sternen

5. April 2004, 12:36
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Im Wahlkampf zwischen den Fronten von FPÖ und SPÖ zerrieben

Klagenfurt - Elisabeth Scheucher ist ihr zweites Antreten als ÖVP-Spitzenkandidatin in Kärnten gründlich misslungen. Bei der Nationalratswahl im November 2002 profitierte sie vom Bundestrend, diesmal geriet sie zwischen die Fronten. Dass sie mit dem Anspruch angetreten ist, Landeshauptfrau werden zu wollen, wurde als "Griff nach den Sternen" bezeichnet. Im Match zwischen dem amtierenden Landeshauptmann Jörg Haider (F) und SPÖ-Herausforderer Peter Ambrozy wurde sie - und die ÖVP mit ihr - buchstäblich zerrieben.

Scheuchers Engagement für soziale Anliegen - sie ist Präsidentin des österreichischen Hilfswerks in Kärnten - wurde durch den "Gegenwind" der Bundesregierung konterkariert. Da nützte es auch nichts mehr, dass sie versprach, ein Jahresgehalt als Landesrätin in eine von ihr gegründete Sozialstiftung einzubringen. Scheucher wurde Anfang Oktober 2003 überraschend an Stelle von ÖVP-Landesobmann Georg Wurmitzer als Spitzenkandidatin der ÖVP nominiert, nach anfänglich guten Umfragewerten sank die Volkspartei zeitweise auf einen Anteil von 16 Prozent, am Wahlabend waren es schließlich desaströse 11,62 Prozent. Nur 37.960 Wahlberechtigte stimmten für die ÖVP, womit die Partei gerade noch ihren Regierungssitz rettete.

Scheucher wurde am 28. Februar 1954 in Klagenfurt geboren, mit 16 Jahren engagierte sie sich bereits in der Jugendarbeit der ÖVP. 1979 zog sie in den Klagenfurter Gemeinderat ein, welchem sie bis 1991 angehörte. Parallel dazu trug sie zum Aufbau des Kinderrettungswerkes in Kärnten bei. 1999 kandidierte sie erstmals für den Landtag, ihre Partei verlor ein Mandat und so musste sie abwarten. Als Christof Zernatto, der den Landeshauptmannsessel verloren hatte, den Parteivorsitz zurücklegte und ins Parlament wechselte, rückte Scheucher nach und wurde Abgeordnete.

Bei der vorgezogenen Nationalratswahl 2002 stand Scheucher, die mit dem Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher verheiratet ist, erstmals an vorderster Front. Die ÖVP erreichte 30,49 Prozent der Stimmen und lag vor der FPÖ auf Platz zwei. Im Parlament wurde sie in den Sozialausschuss entsandt, ihre Funktion beim Hilfswerk gab sie auch als Abgeordnete nicht auf. Die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern ist eigentlich Kindergärtnerin, im zweiten Bildungsweg absolvierte sie ein Pädagogik-Studium und ist auch als Psychotherapeutin tätig. Als ihre Stärke bezeichnet Scheucher ihre Kommunikationsfähigkeit. "Im stillen Kämmerlein Parteipolitik zu betreiben, liegt mir nicht." (APA)

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