Trost und Tröster

20. April 2004, 20:59
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Fernsehen als eskapistisches Vergnügen wurde einem am Sonntag vom ORF wieder einmal gründlich verleidet

Nicht genug damit, dass ein Blick aus dem Fenster oder die kleine Zehe vor die Tür zu verstehen gaben: Es ist Winter. Immer noch!

Statt nun Trost, Rat oder zumindest die Illusion einer besseren Jahreszeit via Bildschirm ins Haus zu bekommen, kommentierte Robert Seeger berüchtigt seherisch ein Skirennen. Auch der Rest des ORF1-Programms konnte sich nicht sehen lassen, weil Fußball.

Oder im Hauptabendprogramm die Westernklamotte "Der Schuh des Manitu". Sehr witzig. Als wäre der originale Winnetou am Nachmittag auf Pro Sieben nicht schon lächerlich genug gewesen. Zum Glück habe ich für derlei Tage gerade zwei erbauliche Tröster: Jeffrey Eugenides’ Roman "Middlesex" einerseits und "Die Sopranos" andererseits. Alle "Four fucking Seasons"! Doch mit beiden Freudenspendern gilt hauszuhalten.

700 Seiten guter Stoff sind rasch verschluckt, und was die Mafiafamilie Müllgeschäft mit ihrem Boss auf der Psychiatercouch betrifft, da sind die ersten beiden Saisonen bereits ebenfalls Geschichte. Das macht einen irgendwie unrund.

Erstens: weil es einen hoffen lässt, dass auch, bitte, bitte, bitte, eine fünfte, eine sechste, siebte und mindestens achte "Season" am entstehen ist, und zweitens, weil einem diese geniale Serie vor Augen führt, wie super Fernsehen sein kann. Zumindest dann, wenn es aus dem DVDPlayer kommt. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 8.3.2004)

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