Auf die Lippen - fertig - Kuss!

26. Juli 2005, 10:16
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Gehören indezente Farbreste auf Gläsern, Zähnen und Hemdkrägen endlich der Vergangen- heit an? Kussechte Lippenstifte im Test

Mal ehrlich: Haben Sie schon einmal bei einem Lippenstift die Gebrauchsanweisung gelesen? Oder sich gefragt, wie man ihn richtig aufträgt? Sollten Sie aber, zumindest wenn es sich um Ihren ersten Kontakt mit einem so genannten kussechten Lippenstift handelt. Denn wer meint, mit "Auf die Lippen - fertig - Kuss!" sei's getan, der bzw. die irrt gewaltig.

Das heißt: Natürlich kann man's so machen, nur färbt der vermeintlich kussechte Lippenstift dann fast ebenso ab wie jeder andere. Schuld daran sind die Fettstoffe, die in jeder Lippenkosmetik enthalten sind - Faustregel: je fetter, desto pflegender, aber auch desto "rutschiger" und folglich weniger dauerhaft. Zunehmendes Alter verschlimmert die Sache, da die Lippen an Fülle verlieren und rundherum Fältchen entstehen, in die die aufgetragene Farbe rinnt und die Kontur ausgefranst erscheinen lässt. Der heurige Trend zu glossglänzenden, hellen, üppig wirkenden Lippen ist für ältere Damen daher mit Vorsicht zu genießen.

Aber auch die jüngste Schmollmundbesitzerin ist gut beraten, ein paar Tricks anzuwenden, wenn der Lippenstift länger als eine halbe Stunde halten und nicht allzu starke Abdrücke auf Gläsern, Textilien oder Haut hinterlassen soll. Profis raten zu folgender Vorgangsweise:

  • Lippen mit losem Puder abpudern. Wichtig: So wird auch die Eigenfarbe der Lippen neutralisiert.
  • Fixiercreme (z.B. Lip Fix Creme von Elizabeth Arden oder Lip Lift von Guerlain) auftragen und einziehen lassen.
  • Mit einem Konturenstift den äußeren Lippenrand nachziehen, wahlweise auch die ganze Lippenfläche damit ausmalen. (In unserem Test hielt der Artist's Lip Pencil von Estee Lauder am besten.)
  • Die Farbe aus dem Lippenstift möglichst gleichmäßig mit einem Pinsel auftragen.
  • Mit einem Taschentuch abtupfen (mit den Lippen drauf "beißen").
  • Gegebenenfalls Farbschicht korrigieren oder ergänzen.

So professionell angewandt sorgt die Farbe eines lang haltenden (vulgo kussechten) Lippenstiftes im Durchschnitt zwei Stunden lang für den perfekt geschminkten Mund; Essen, Trinken oder gar leidenschaftliches Küssen verkürzen die Lebensdauer des labialen Make-ups allerdings beträchtlich, häufigere Kontrollblicke sind daher zu empfehlen.

Die Kriterien:

Beurteilt wurden neben der Haltbarkeit die Konsistenz, der Geruch und die Verpackung sowie die Farbauswahl.

Die Ergebnisse

Guerlain "Divinora Deep & Matt Lipstick",
4 g für 21,40 €
"Genau so haben seinerzeit die Lippenstifte meiner Mutter geduftet", fühlte sich eine Testerin bei diesem Modell in ihre Kindheit zurückversetzt. Die Farbe lässt sich für den geringen Fettanteil sehr geschmeidig auftragen, fühlt sich auf den Lippen angenehm an und hält durchschnittlich gut. Hervorzuheben ist der relativ hohe Lichtschutzfaktor 15; die meisten Hersteller erwähnen den SPF ihrer Produkte gar nicht eigens, da alle modernen Kosmetika mindestens Faktor 8 aufweisen müssen. Einen Extra-Bonuspunkt erhielt die gewellte, goldene Metallhülle mit den zwei in einander verschlungenen Gs für ihre Spitze, die sich beiseite schieben lässt und unter der sich ein Minispiegel - gerade groß genug für einen Kontrollblick - verbirgt. Eine Testerin berichtete zwar, dass diese Spitze "nicht ewig hält", aber die Idee ist lobenswert, ebenso das Preis-Leistungs-Verhältnis. Erhältlich in 15 Farbtönen.

Estee Lauder "Electric Intense Lip Cream"
3,8 g für 22,70 €
Der jüngste Lippenstift von Estee Lauder ist in jeder Hinsicht sehr präsent: Die eckige Metallhülle in Blau-Gold mit farbigem Sockel ist ebenso elegant wie auffallend, der (für empfindliche Nasen fast zu) intensive Duft nach Schokolade und Frucht auf die integrierten Feigenextrakte zurückzuführen. Die Farbmasse lässt sich leicht auftragen, und "man spürt seine Lippen und die Tatsache, dass etwas darauf ist", beschrieb eine Testerin das Gefühl, dass dieses Modell bei ihr auslöste. In puncto Haltbarkeit konnte dieses Lippenkosmetikprodukt von allen Kandidaten am wenigsten überzeugen, was vermutlich auf einen vergleichsweise hohen Fettanteil zurückzuführen ist. Erhältlich in 30 Farbtönen.


Kanebo "Lasting Lip Colour"
1,9 g für 26,67 €
"Super zum Auftragen", urteilten die Testerinnen über die lang haltende Lippenfarbe aus dem Hause Kanebo, die schon beim Erstkontakt mit einem Wasserglas kaum einen Abdruck hinterließ. Generell besticht dieser Testkandidat durch Unauffälligkeit und Understatement: keinerlei Duft, eine schlanke, mattsilberne Metallhülle und unsicht-, aber spürbarer Luxus in Form von Seidenproteinen, die die Lippen bei Kälte wärmen und bei Hitze kühlen sollen. Erhältlich in 16 Farbtönen.

Yves Saint Laurent "Rouge Vibration Lipstick"
1,8 g für 23,50 €
In dem schlichten, schwarzen Kunststoff-Stick verbirgt sich bescheiden der "kussechteste" der getesteten Lippenstifte: Schon beim ersten Taschentuchkontakt blieb auf dem Tissue fast keine Farbspur zurück. Diese Haltbarkeit hat ihren Preis: Bis auf eine Testerin empfanden alle Damen die mit "Laser Perlmutt" und Vitaminen angereicherte Textur auf den Lippen als "extrem trocken", also trotz SPF 10 eher etwas für Indoor-Anwendung. Die dennoch weiche Konsistenz der Farbmasse eignet sich gut zum Applizieren mit dem Pinsel, beim Direktauftragen knickt sie allerdings leicht gegen den Rand. Der recht intensive, süße Duft ist Geschmackssache. Erhältlich in 14 Farbtönen.

Bobbi Brown "Lip Colour"
3,4 g für 21,00 €
Die zurückhaltende schwarze Kunststoffhülle erinnert an die Klassiker von Chanel, und auch sonst sind Brown-Produkte nichts für Leute, die mit schrillen Farben Aufsehen erregen oder gar provozieren wollen: Die vom Laufsteg kommende Make-up-Künstlerin will einen natürlich wirkenden Look an die Frau bringen. Auf den ersten Blick unterscheiden sich ihre vielen Farbnuancen kaum voneinander, daher ist eine Farbprobe auf dem Handrücken sehr anzuraten. Beim Auftragen ("angenehm") fällt ein zart-süßer Duft auf; die Textur auf der Haut wurde teils als "schützend", teils als "die Lippen fühlen sich angezogen an" empfunden. Beim Hafttest hinterließ dieses Modell nur minimale Farbreste. Erhältlich in 33 Farbtönen. (DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 7./8.3.2004)

Das Testteam: Exmodel Elisabeth Fallenberg, Marie-Thérèse Gudenus, Tessa Huberty und Sissy List. der Standard dankt Nägele & Strubell, 1010 Wien, für die Fachberatung durch Visagistin Sanela Petrovic und für die zur Verfügung gestellten Lippenstifte.

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.

Marie-Thérèse Gudenus über die Suche nach dem ultimativen Lippenstift.
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