Trendberuf: Wohlfühlexperte

26. Juli 2004, 12:10
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Laut Prognosen der internationalen Trend- und Zukunftsforscher werden Wellness- und Gesundheitsberufe künftig gefragt sein wie nie zuvor - Auch in Österreich - Das Wifo spricht sogar von einem Bedarf von jährlich 6000 Personen in der Branche

Sie setzen auf Themen wie Fitness, gesunde Ernährung und stressfreies Leben. Die Professoren der Body & Health Academy in Haslach in Oberösterreich unterrichten derzeit an die 300 Studierende in Sachen Wohlfühlen und Gesundheit: "Ziel unserer Absolventen ist es, den gesunden Menschen auch gesund zu halten", erläutert Johannes Kainberger, Leiter der Academy, dem KARRIERENSTANDARD. Man müsse, so der Experte, nicht in Askese leben, um sich fit und gesund zu fühlen: "Das subjektive Wohlfühlen ist wichtig. Und das wollen wir weitergeben in unseren Lehrgängen."

Der Gesundheits- und Wellnessbereich - auch in Österreich - benötigt mehr Personal, das bestätigt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo): Demnach, so erhoben die Forscher, bestünde künftig im Gesundheitsbereich jährlich ein Bedarf von insgesamt 6000 Personen.

Gefragt

Die Absolventen der Body-und Beauty-Vitaltrainer-Ausbildungen und diverser MBAs der Body & Health Academy in Linz sind besonders gefragt. Es kommen bereits Angebote aus den USA. Der Reiseveranstalter Steinerleisure Company aus Miami rekrutiert seit heuer für Reisen mit seinen Traumschiffen die Fitnesstrainer in Oberösterreich.

Wer fit sein will, muss sich auch entspannen können. Seit neuestem werden in Wien Diplomlehrgänge zum Entspannungstrainer angeboten. Die Vitalakademie in Wien mit Standorten in ganz Österreich bildet neben Ernährungs- und Gesundheits- seit heuer auch Entspannungstrainer aus.

Drei Module

Die einjährige Diplomausbildung besteht aus drei verschiedenen Modulen: Behandelt werden die Themen Stressbewältigung und Stressmanagement ebenso wie Zeit-und Konfliktmanagement, aber auch Kinesiologie, Mindwalking und Meditation.

Katja Barosits, zuständig für die Aufnahme in der Wiener Zentrale: "Der Entspannungstrainer hat eine Coachfunktion. Er kann nicht nur in Unternehmen, sondern in Schulen, in Kindergärten, aber auch in Hotels arbeiten. Dazu kommt die Einsatzmöglichkeit als Einzelcoach." Die Ausbildung wird vom Arbeitsmarktservice (AMS) übrigens zur Gänze gefördert.

Prosperierend

Die Geschäftsführerin von GIM argo, dem Institut für Trendforschung und Innovationsmanagement in Hamburg, Kerstin Ullrich, erkennt im Wellnessbereich eine prosperierende Branche: "Die vorhandenen Berufssparten werden angereichert, es kommt zu einer Umdeutung der Berufe." Berufsbilder unterliegen immer stärker den häufigen Mutationen.

Ein Beispiel für angereicherte Berufe findet man im Hochschulsektor: So wurde im vergangenen Jahr in Österreich für die nächsten fünf Jahre eine private Universität für Traditionelle Chinesische Medizin - das TCM - akkreditiert. Studierende können nach einem dreijährigen Medizinstudium gleich nach dem zweiten Studienabschnitt am TCM für weitere sechs Jahre mit Traditioneller Chinesischer Medizin fortsetzen. Absolventen winkt der Magistertitel. TCM-Rektor Andreas Bayer: "In Österreich benötigen wir in den kommenden Jahren rund 3000 ,funktionelle Mediziner', um die große Schar der Patienten betreuen zu können."

Derzeit werden 110 neue Studierende in kleinen Gruppen von 15 Personen in die Künste des Qi Gong, der Meridianlehre, der Akupunktur und der chinesischen Diagnostik eingeweiht. "Die Studenten können sogar einige Semester in unseren Partneruniversitäten in München oder Berlin verbringen", sagt Bayer, der sich für die Gründung einer europäischen TCM-Vereinigung, der Euro-TCM mit Sitz in Brüssel, engagiert hat.

Bio-Engineers gefragt

Hohe Nachfrage nach Biotechnologie-Absolventen gibt es derzeit in Österreich. Seit einem Jahr bildet der FH Campus in Wien neben Bau- und Informationstechnikern nun auch Bio-Engineers und Biotechnologen aus. Um die beiden Studiengänge buhlen derzeit 150 Bewerber - sie stehen bereits auf der Warteliste fürs kommende Jahr. Denn Platz gibt es derzeit "nur" für 50 Studierende.

Als großes Plus hat sich auch der Standort der Fachhochschule erwiesen: in der Muthgasse im 19. Wiener Gemeindebezirk errichtet der Pharmakonzern Baxter der- zeit seinen Konzernstandort gleich neben dem FH Campus.

Chance: Kriminologie

Die künftigen Bio-Engineers haben nicht nur im Pharmabereich Chancen, sondern auch in der Forschung. Etwa in der Kriminologie, sagt Gregor Lex, Sprecher des FH Campus, insbesondere wenn es um die Erstellung eines genetischen Fingerabdrucks geht. "Wissenschaftliche Labors suchen vor allem Forscher, die auch Programme entwickeln, um DNA-Profile elektronisch zu speichern." (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe, 28./29.2.2004)

  • Wer fit sein will, muss sich auch entspannen können - Seit neuestem werden in Wien Diplomlehrgänge zum Entspannungstrainer angeboten
    foto: peter manfredini

    Wer fit sein will, muss sich auch entspannen können - Seit neuestem werden in Wien Diplomlehrgänge zum Entspannungstrainer angeboten

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