Endogame Zone: Blutauffrischung für Vorabendserien

20. April 2004, 20:59
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Wir erinnern uns: Einst kam Lolle (Felicitas Woll), eine aufgeweckte Abiturientin vom Lande, in die neue Hauptstadt ...

... Sie bezog Quartier in einer WG und lernte die Vorzüge eines verlässlichen Freundeskreises kennen und schätzen. Das war der Stoff für eine der sympathischeren deutschen Vorabendserien, die trotz unnötiger dramatischer Exkurse und Animationseinlagen ein gewisses Naheverhältnis zum Alltäglichen unterhielt.

In weiterer Folge kam mit dem Weggang der resoluten Rosalie eine der nettesten Nebenfiguren abhanden, und inzwischen, in der dritten Saison angelangt, scheint sich hier alles nur noch um die Frage "Sven oder Alex?" zu drehen. Die neue Staffel von "Berlin, Berlin", die die ARD am Dienstag startete, krankt an einem Phänomen, welches auch schon andere TV-Serien befallen hat: Sind die handelnden Personen einmal eingeführt und die grundsätzlichen Konfliktlinien angelegt, dann entsteht bei den Machern offenbar häufig der Eindruck, dass es fortan genügt, nur noch innerhalb dieser Koordinaten zu arbeiten.

Damit die Geschichte weitergeht, reicht es nach dieser Logik scheinbar, wenn man die fünf Hauptfiguren in ein Pärchen und eine Dreiecksbeziehung aufteilt. Die daraus entstehenden Verwicklungen im privaten Rahmen sind allerdings schnell nur noch für die unmittelbar Beteiligten interessant. Dass Endogamie nachhaltig negative Folgen zeitigt, hat man auch schon vor Urzeiten entdeckt. In diesem Sinne hoffen wir ganz dringend auf die notwendige Blutauffrischung. (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2004)

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