" ... WAZ-Aktivitäten völlig zu zerstören"

20. April 2004, 20:53
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Der Balkan im eigenen Auge: Dichand gegen WAZ und das Schiedsgericht

Mehr als drei Stunden versucht Michael Dichand die Richterin zu überzeugen. Der älteste Sohn des Krone-Herausgebers Hans Dichand lädt Mittwochvormittag drei Zeugen ins Wiener Handelsgericht, legt Aktenberge vor, bestellt gar eine kroatische Übersetzerin. Allein, nach Ende der Anhörung resümiert "Snoopy" Dichand: "Ich bin ein wenig verwirrt."

Dabei ist es nur ein Nebenschauplatz: In diesen Verfahren soll nur geklärt werden, ob Dichand wiederholt hat, was ihm per einstweiliger Verfügung im Dezember verboten wurde. Nämlich in der Öffentlichkeit zu behaupten, der deutsche Krone-Hälfteeigentümer WAZ treibe am Balkan Geschäfte mit der Mafia. Das darf Dichand vorerst auch weiterhin nicht.

Zumindest bis die Richterin schriftlich darüber entscheidet. Sie wirkt nach Ende der Anhörung leicht entnervt. Das Handelsgericht prüft nun Dichands Widerspruch.

Zeuge ferngeblieben

Dieses dem STANDARD vorliegende Dokument verteidigt Dichands Äußerungen zur WAZ unter anderem so: "Dazu kommt, dass am Balkan die Zusammenarbeit mit Kriminellen überhaupt nichts Verwerfliches ist, sondern geradezu eine Voraussetzung für das Fortkommen im Wirtschaftsleben."

WAZ-Anwalt Daniel Charim lässt nach der Verhandlung Zuversicht durchklingen, dass die Verfügung aufrecht bleibt. Und sogar Dichands Rechtsvertreter Peter Draxler schließt sich dieser Meinung an.

Grund für Dichands Verwirrung ist vor allem das Fernbleiben eines Zeugen, in den er die größten Hoffnungen gesetzt hat: der Herausgeber der kroatischen Wochenzeitung Nacional, Ivo Pukanic. Dichand junior wirft der Essener Mediengruppe WAZ vor, sie habe Pukanic eingeschüchtert, damit er nicht in Wien aussagt.

Einschüchterungsversuche

Unsinn, entgegnet WAZ-Anwalt Charim auf Anfrage: Was Pukanic vorbringe, sei schon 2000 Gegenstand eines Strafverfahrens in Kroatien gewesen. An dessen Ende habe der Oberste Gerichtshof des Landes entschieden, die Vorgänge seien "nicht strafbar".

Einschüchterungsversuche sind auch Inhalt von Mails zwischen "Dear Snoopy" und "Dear Puki", die Michael Dichand dem STANDARD in einem Packen Unterlagen zum Thema am Rande der Verhandlung zur Verfügung stellt.

Pukanic schreibt Dichand (schon vor Weihnachten 2003), einer der Gründungsgesellschafter der kroatischen Verlagsgruppe Europapress Holding wolle seinen Verlag "zerstören". 50 Prozent der Europapress gehören heute der WAZ. Pukanic argumentiert etwa mit dem Abwerben wichtiger Journalisten seines Hauses. "Sie werden viel Geld zahlen um mich zu zerstören, weil der ganze Ärger für die WAZ und die Europapress bei mir seinen Ausgang nahm."

" ... WAZ-Aktivitäten völlig zu zerstören"

Michael Dichand sucht ihn - laut Mails - zu beruhigen. Zum Beispiel am Heiligen Abend 2003: "Du musst in die Möglichkeit vertrauen, die WAZ-Aktivitäten völlig zu zerstören, gleich ob in Kroatien oder in Deutschland oder in irgendeinem anderen Teil der Welt."

Und schlag nach bei Hans Dichand, Hälfteeiger der Krone: "Mein Vater hat damit lange Erfahrung. Er hat nie eine Träne vergossen, wenn ihn jemand verlassen hat. Im Gegenteil, er wünschte den Verrätern Glück. Er sagt, sie werden es nötiger haben als er selbst."

So möge es "Puki" doch auch mit den von der Europapress abgeworbenen Mitarbeitern halten: "Kollegen wie diese sind wie auf Sand gebautes Fundament!" Und gleich darauf: "Unser Kampf wird nicht in Kroatien geführt, nicht einmal in Österreich, sondern in Deutschland, und sie haben uns noch nicht einmal einen Kratzer beigebracht!"

"Partner herauskaufen"

Schon am 18. Dezember hat Michael Dichand Pukanic einiges in Aussicht gestellt: "Ich werde deine Partner herauskaufen, wenn ich mit der WAZ und (deren Geschäftsführer Bodo) Hombach fertig bin."

Zuletzt warfen deutschen Medien freilich nicht der WAZ, sondern Partnern der Familie Dichand eher dubiose Geschäfte vor, diesmal in Serbien. In Berlin prüfte die Staatsanwaltschaft Vorwürfe der Geldwäsche gegen den TV-Manager der Brüder Soravia in Berlin, München und Zürich, die mit Michaels Dichands Bruder Christoph das Onlineauktionshaus Onetwosold betreiben.

"Hasta la victoria siempre"

Wirklich um die Wurst, also die Macht in der Krone, geht es bald in einem Verfahren zwischen WAZ und Dichand senior: Nach STANDARD-Informationen könnte Anfang April das Schiedsgericht tagen, das die WAZ angerufen hat zur Abberufung von Hans Dichand als Krone-Geschäftsführer und von seinem Sohn Christoph als Chefredakteur.

Aber wie mailte Bruder Michael siegesgewiss nach Kroatien? "Hasta la victoria siempre, wie wir in Kuba sagen." (Doris Priesching, Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 4.3.2004)

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