Die Karawanken müssen bleiben!

20. April 2004, 20:57
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So lange ist Jörg Haider nun Landeshauptmann von Kärnten gewesen, und um Kärnten ist es schlimmer bestellt denn je

So lange ist Jörg Haider nun Landeshauptmann von Kärnten gewesen, und um Österreichs südliches Bundesland ist es schlimmer bestellt denn je, wenn man einem wirklichen Experten glauben darf. Dr. Josef Feldner, langjähriger Obmann des Kärntner Heimatdienstes, gilt als "Gralshüter" der Kärntner Identität, jedenfalls in Andreas Mölzers "Zur Zeit", also musste er eine Woche vor den Landtagswahlen die bange, aber in bodenständigem Kärntnerisch formulierte Frage aufwerfen: Quo vadis, Kärnten?

Seine Antwort ist heute dieselbe wie in den letzten Jahrzehnten: Direkt in die Fänge des slowenischen Rabiatimperialismus. Und wie es dazu kommen konnte, ist klar: Nationale Gleichgültigkeit stärkt großslowenisches Anspruchsdenken. Dass die Slowenen nur darauf warten, die Karawanken abzutragen, um ihre begehrlichen Slawenblicke ungehindert bis nach Celovec und weiter schweifen lassen zu können, haben uns die Gralshüter der Kärntner Identität in den letzten fünfzig Jahren unermüdlich angekündigt. Aber wer hätte gedacht, dass es ausgerechnet unter Jörg Haider so weit kommen würde?

Offensichtlich ist es so, dass ein Bad Goiserer, wenn ihn die Weltoffenheit befällt, zwar eilfertig bemüht ist, jeden Splitter aus dem Auge eines irakischen Massenmörders zu ziehen, aber die Balken in den blutunterlaufenen Augen ewig wiedergängiger Partisanenterroristen sind ihm nicht mehr an Aufwand wert, als die alljährliche Pflichtübung auf dem Ulrichsberg und sein Auftritt beim Villacher Fasching, was annähernd auf dasselbe hinausläuft. Gelegentlich noch ein Festakt. Das Bärental muss bei Haider bleiben, aber der Rest von Kärnten ist ihm gleichgültig - wie sonst könnte es zu Josef Feldners Unkenrufen kommen?

Und ein Landeskaiser, der sich jahrelang nichts Besseres zu tun wusste, als der Kärntner Freiheit Dolchstöße in den Rücken zu versetzen, hat jetzt auch noch die Frechheit, sich den von ihm an slowenische Nationalisten verschacherten Kärntnerinnen und Kärntnern mit dem Slogan anzupreisen: An Bessern kriag ma nimma. Ein Zynismus, der nur noch durch den volksfremden Auftritt im Kilt übertroffen wurde.

Wie gut ist es da zu wissen, dass Josef Feldner wacht. Das großslowenische Anspruchsdenken hat längst bereits Eingang gefunden in die offizielle Politik Sloweniens. Es ist ein erschreckender Beweis für nationale Gleichgültigkeit und mangelndes Nationalbewusstsein, dass diese slowenischnationalistischen Umtriebe von der österreichischen und Kärntner Öffentlichkeit so gut wie nicht registriert werden! Und was tut der Landeshauptmann, statt besagte Öffentlichkeit aufzurütteln und unter das Banner des Lindwurms zu rufen? Er verteilt Gebärprämien und Almosen an Pensionisten, als ob irgend ein Kärntner, wes Alters und Geschlechts er auch sei, sich daran noch erfreuen könnte, wenn er demnächst unter dem slowenischen Joch schmachtet.

Denn nun setzen diese - die großslowenischen Nationalisten - ihre ganze Hoffnung in den EU-Beitritt Sloweniens, der am 1. Mai dieses Jahres Wirklichkeit wird. Offen wird Kärnten oder zumindest Südkärnten als Teil eines künftigen "Vereinten Slowenien" unter dem gemeinsamen EU-Dach beansprucht. All das bleibt der Masse der Kärntner und Österreicher bis heute verborgen. Nur Josef Feldner fällt es auf, und er springt ein, wo Jörg Haider seit Jahren kneift: Aus heimattreuer Kärntner Sicht besteht akuter Handlungsbedarf. Es wird Zeit, mit Sloweniens Repräsentanten Klartext zu reden und dabei unmissverständlich festzustellen: die Karawankengrenze muss bleiben!

Nur: Wer soll das tun? Machen sich doch sogar im Lager des karinthischen Überlebenskampfes Anzeichen von Schwäche bemerkbar. Eine Seite vor Feldner schreibt Andreas Mölzer unter dem Titel Kärnten ist unteilbar (das muss sein): Dabei ist es ein trauriges Faktum, dass die kulturelle Nivellierung und der sozioökonomische Sog der Mehrheit die slowenische Minderheit in Kärnten auf wenige tausend Menschen hat schrumpfen lassen.

Man spürt, wie Mölzer unter dem traurigen Faktum dieses Schrumpfungsprozesses geradezu körperlich leidet. Dementsprechend groß sein Verständnis für jenes slowenische Verhalten, dass Feldner nicht laut genug anprangern kann: Dennoch gibt es jene sonderbare Form eines Rückzugs-Chauvinismus, den derart in Enge getriebene Volksgruppen offenbar gewissermaßen zwangsläufig entwickeln. Da ist es doch edel, nicht erst zu hinterfragen, wer die kulturelle Nivellierung betrieben hat, die den sozioökonomischen Sog der Mehrheit noch einmal verstärkte - sonst wäre die Trauer über die in Enge getriebenen Volksgruppen womöglich nicht gar so groß ausgefallen.

Zum Glück hält Josef Feldner dem slowenischen Rückzugs-Chauvinismus seinen Vorwärts-Chauvinismus entgegen: Gute Nachbarschaft braucht klare Grenzen. (DER STANDARD; Printausgabe, 2.3.2004)

Von Günter Traxler
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