Zwölf bis 29

20. April 2004, 20:58
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Im Kampf um die Zielgruppe sind auch die "Austria Top News" mit "frechen" Beiträgen dabei

Bisweilen abstruse Ausmaße nimmt das Hofieren der begehrten werberelevanten Zielgruppe von zwölf bis 29 an. Medien und Werbung haben in ihr bekanntlich die heilige Kuh gefunden. Studien darüber, dass es im Geldbörsel von Frühpensionisten teilweise recht ordentlich klingelt, werden konsequent ignoriert, als richtig und einträglich gilt, was jung und erfolgreich ist.

Im kreativen Schaffen vor dem Hintergrund der heilbringenden Säfte und Kräfte der Jugend verlagert sich das Denken anscheinend zwei Stockwerke nach unten. Ein Beispiel dafür lieferten unlängst die "Austria Top News", das Nachrichtenfenster bei Pro Sieben: Dort präsentierte Helmut Brandstätter eine "freche" Internetseite, bei der man mittels Tastendruck eine weibliche Brust bewegen kann. Das schaut dann so aus, als ob der Busen den Bildschirm wischt. Achtungserfolge wie Interviews mit Karl-Heinz Grasser und Wolfgang Schüssel werden so mit einem Schlag zunichte gemacht. Oder Dieter Chmelar. Da testen vier Mädels den Unterschied zwischen Dildos und Vibratoren und können sich vor lauter Kichern gar nicht einkriegen. Ist das wirklich Fernsehen für die werberelevante Zielgruppe? Oder vielleicht doch eher Programm von Leuten, die zu wissen meinen, was Junge sehen wollen und dabei an nichts anderes als ans Schnackseln denken können?

Sevenonemedia verschweigt übrigens seine Quoten vorerst standhaft, Chmelar hat sich mittlerweile bei kaum wahrnehmbaren 35.000 eingependelt. Zeit zum Umdenken? (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 2.3.2004)

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