"Tore schießen muss man selbst"

1. April 2004, 19:39
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Die hohe Kunst des Networkings blieb vielen Frauen bisher verborgen - Nun beginnen weibliche Netzwerkerinnen, sich gegenseitig auf Chefsessel zu hieven

Ob Unternehmerin, Managerin oder Hausfrau: Immer mehr Frauen suchen Gleichgesinnte, um sich gegenseitig zu fördern. Der praktische Netzwerknutzen in Form neuer Aufträge oder eines interessanten Jobangebotes ergibt sich häufig von selbst.

Seit die Grafikunternehmerin Sonja Ruß vor kurzem beschlossen hat, im März dieses Jahres den ersten "Wiener Frauen-Vernetzungstag" abzuhalten, kann sie sich vor Anfragen kaum retten. "Fast täglich rufen mich Frauen aus den verschiedensten Netzwerken an und wollen mitmachen", erzählt sie.

Frauennetzwerke

"Rund 150 bis 200 Frauennetzwerke" gibt es nach ihrer Schätzung bereits in ganz Österreich. Und ihre Zahl wächst ständig. So haben beispielsweise Beatrix Hausner, Projektleiterin bei der Österreichischen Computer Gesellschaft, und Brigitte Piwonka, Managing Director der PR-Agentur results & relations Wien den "IT-Salon pour elle" gegründet, der Frauen in der IT-Branche stärken soll. "Der IT-Bereich ist sehr männerlastig. Wir versuchen einerseits, mehr weibliche Bewerber in technikgetriebene Unternehmen zu locken, und andererseits, weibliche Nachwuchskräfte in Führungspositionen zu hieven", so Hausner.

Der praktische Nutzen eines Netzwerkes sei sehr groß, betont Ute Fuchs, Präsidentin von "Business & Professionell Women" (BPW-Wien), und erzählt: "Wir haben zum Beispiel eine Rechtsanwältin, die regelmäßig Mandate aus dem Netzwerk erhält." Doch nur wer selbst aktiv wird, profitiere vom Netzwerk, betont sie. "Wir sind ein Spielfeld, und unsere Mitglieder sind die Spielerinnen. Tore schießen muss jede selbst", dämpft auch Karin Eder, Vorsitzende des Frauennetzwerkes "Frauen im ÖGV", überzogene Erwartungen. Ebenso will die Vermögensberaterin Johanna Eisenberger, die vor einem knappen Jahr in der Wiener Lokalität "Villa Aurora" ihr Netzwerk "Aurora" gegründet hat, von Trittbrettfahrerinnen nichts wissen: "Bei uns bringt jeder etwas ein, das Netzwerk ist nur so gut wie jede einzelne Frau, die dabei ist."

Das Geheimnis des Netzwerkens liegt im Faktor Geduld: "Beziehungen muss man aufbauen, bevor man sie braucht", ist Executive Coach Claudia Daeubner überzeugt.

Networking-Grenzen

Personalberaterin Gundi Wentner von Wentner Havranek Deloitte & Touche kennt die Grenzen von Frauennetzwerken: "Sie haben kaum Bedeutung, weil nur 3,7 Prozent der Top-Führungspositionen weiblich besetzt sind. Daher gibt es zu wenige Frauen, die einander fördern könnten. Was weiterhilft, ist in Wahrheit ein Manager-Netzwerk. Beziehungen und Netzwerke muss man mit Personen aufbauen, die Einfluss haben - und das sind in der Regel Männer", resümiert die Headhunterin nüchtern.

Auch Daniela Hehenberger, Gründerin des "business frauen center" in Klagenfurt, will die Männer als Steigbügelhalter für den Erfolg nicht missen. Im Rahmen ihres "crossmentoring"-Projektes mit rund 25 Unternehmen werden junge Frauen von ausschließlich männlichen Mentoren gefördert. "Wir arbeiten mit professionellen Männern zusammen, die Frauen ein Jahr lang in ihren Karriereplänen unterstützen", erzählt Daniela Hehenberger, deren offenes Netzwerk rund fünfzig Frauen zählt. Die Aufnahme in einem Frauennetzwerk erfolgt in der Regel über eine Empfehlung von Mitgliedern. Der jährliche Mitgliedsbeitrag bewegt sich bei bekannten Netzwerken zwischen 100 und 150 Euro. (Gerlinde Maschler, DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.2.2004)

  • Netzwerk­teilnehmerinnen des ersten "IT- 
Salon pour elle": Martina Zwickl, Senior Consultant IDS Scheer, Yvonne Masopust, PR-Beraterin ikp Austria, Eva Leckel, Senior Consultant Xenis, Danja Stiegler, Consultant Xenis (v. li)
    foto: results & relations

    Netzwerk­teilnehmerinnen des ersten "IT- Salon pour elle": Martina Zwickl, Senior Consultant IDS Scheer, Yvonne Masopust, PR-Beraterin ikp Austria, Eva Leckel, Senior Consultant Xenis, Danja Stiegler, Consultant Xenis (v. li)

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