Gewissen des Osterhasen

16. April 2004, 16:51
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Benita Ferrero-Waldners Wahlkampfleiter Florian Krenkel im STANDARD-Interview: "Wir haben keinen SP-Slogan geklaut"

Florian Krenkel, Wahlkampfleiter von VP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner, hat ein ruhiges Gewissen. Er habe keinen SP- Slogan geklaut. Politik brauche auch Humor, sagt er zu Lisa Nimmervoll.

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Der STANDARD: Herr Krenkel, wie steht’s mit Ihrem Gewissen nach der Slogan-Aktion? Haben Sie ein reines Gewissen?

Krenkel: Ein ausgezeichnetes Gewissen, wie immer.

STANDARD: Der Slogan "Politik braucht ein Gewissen" gehöre eigentlich Heinz Fischer, sagt die SPÖ. Sie haben Benita Ferrero-Waldner dazugeschrieben - für die SPÖ "Diebstahl".

Krenkel: Das ist Propaganda und weit überzogen, weil ich etwas, das niemandem gehört und wozu sich keiner bekennt, auch nicht stehlen kann. Das war ein anonymes Inserat, das niemandem zuordenbar war. Wir haben gesagt, das ist eine tolle Aussage, und einen Namen dazugestellt.

STANDARD: Hand aufs Herz: Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Firma aus der Wirtschaft mit Politik und Gewissen wirbt?

Krenkel: Sehr wahrscheinlich, wenn ich mir Inserate anschaue, wo Versicherungen Politiker in Frühpension schicken wollen oder andere Firmen mit Parlamentsdialogen werben. Da ist alles möglich.

STANDARD: Aber es war von Anfang klar, dass Sie sich auf einen Slogan draufsetzen, der von irgendjemand anderem ist - ihn also quasi klauen.

Krenkel: Der Ausdruck klauen ist nicht in Ordnung. Wir haben den Slogan einfach unterstrichen mit einem Bekenntnis. Wer "Politik braucht ein Gewissen" schaltet, der unterstellt ja auch, dass es eine Politik ohne Gewissen gibt. Das wollten wir zurechtrücken.

STANDARD: Ein Slogan als Allgemeingut zur freien Entnahme?

Krenkel: Das ist ein allgemein gültiges Statement wie der Slogan für Kanzler Schüssel "Wer, wenn nicht er", der war auch nicht zu schützen.

STANDARD: Dass Ihnen die multiple Slogan-Verwertung angekreidet werden könnte, fürchten Sie nicht?

Krenkel: Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Der SP-Agenturchef sagte, es sei wie "Weihnachten und Ostern zusammen". Na fein, warum regen sie sich dann auf?

STANDARD: Der Slogan ist also so gut, dass er für zwei reicht?

Krenkel: Das ist wieder eine andere Frage. Sie unterstellt, dass wir mit dem Wahlkampf machen. Der Wahlkampf beginnt am 15. März. Wir sind nicht darauf angewiesen, die Ideen anderer zu klauen.

STANDARD: Wenn Sie sagen, der Wahlkampf beginnt erst Mitte März, was ist das dann jetzt?

Krenkel: Vorwahlkampf.

STANDARD: Das lässt einiges für den Wahlkampf erwarten.

Krenkel: Das weiß ich nicht. Das ist doch ganz lustig. Man muss die Sache auch ein bisschen mit Humor nehmen. Politik muss auch Humor haben.

STANDARD: Es war also ein ÖVP- Beitrag zum Fasching?

Krenkel: Nein, aber wenn die andere Seite meint, es ist wie "Weihnachten und Ostern", dann war’s halt der Osterhase, der ein Ei gelegt hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.2.2004)

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    Krenkel: "Politik muss auch Humor haben."

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