Bildung statt repressiver Politik Raphael Chambon, Vorstand der französischen Studentenvertretung UNEF, sprach mit Louise Beltzung über eine heuchlerische Reform und wenig Gelegenheit zur Mitsprache.

10. September 2004, 14:58

Standard: Sind Frankreichs Hochschulen reif für eine Europäisierung?
Raphael Chambon: Die Voraussetzungen dafür müssten geschaffen werden, das ist derzeit nicht der Fall. Stipendien für Mobilität und Austauschprogramme sind unzureichend. Prinzipiell treten wir für eine gesamteuropäische Hochschulpolitik ein. Die jetzige Reform ist heuchlerisch.

STANDARD: Was ist die Kritik an der französischen Unireform?
Chambon: Der Notenausgleich zwischen dem ersten und zweiten Semester wurde abgeschafft. Außerdem wird auch der Wiederholungstermin von Prüfungen infrage gestellt. Insgesamt streikten mehr als 30 Universitäten, so konnte zumindest eine Alleinherrschaft des Uni-Präsidenten verhindert werden.

STANDARD: Gibt es mit den Grandes Ecoles ein Zwei-Klassen-Hochschulsystem?
Chambon: Es gibt eine Ungleichheit zwischen Universitäten und Grandes Ecoles. Wir fordern, dass diese zwei Systeme sich annähern oder zu einem einzelnen, gerechteren System fusioniert werden.

STANDARD: Habt ihr konkrete Konzepte?
Chambon: Die Priorität muss auf Bildungs- statt auf Repressions- und Verteidigungspolitik gesetzt werden. Unis müssen eine berufliche Ausbildung bieten. Wir haben viele Vorschläge, doch brauchen wir mehr Möglichkeiten, uns äußern zu können. Fotos: privat

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